Peugeot und Opel legen Sanierungskooperation auf Eis

Mittwoch, 14. November 2012, 08:24 Uhr
 

London/Paris/Rüsselsheim (Reuters) - Die Opel-Mutter GM und der französische Partner Peugeot haben ihre Gespräche über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres Europageschäfts Kreisen zufolge vorerst gestoppt.

Gründe seien eine verschlechterte Finanzlage bei Peugeot sowie die jüngst gewährten Garantien des französischen Staates für die Finanzierungssparte Banque PSA, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Durch die von der Regierung in Paris zur Verfügung gestellten sieben Milliarden Euro Staatsgarantien sei die geplante engere Zusammenarbeit von Opel mit Peugeot durchkreuzt worden, sagte einer der Insider.

Der französische Staat hatte sich im Gegenzug - ebenso wie die Gewerkschaft - Mitspracherechte im Aufsichtsrat gesichert und gefordert, die Pläne für einen Stellenabbau zu überdenken. Peugeot hatte rund 10.000 Stellen streichen und ein Werk nahe Paris dichtmachen wollen.

Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich hatten befürchtet, dass die beiden Autobauer im Falle einer engeren Allianz noch tiefere Einschnitte vornehmen könnten als bisher schon geplant. GM ist seit Februar mit sieben Prozent an Peugeot beteiligt. Bislang sind beide Partner aber nicht über Vereinbarungen für vier Fahrzeugprojekte und den gemeinsamen Einkauf hinausgekommen.

Die sich noch in einer frühen Phase befindenden Gespräche der mit hohen Verlusten, Überkapazitäten und Absatzeinbrüchen kämpfenden Autobauer seien gestoppt worden, sagte ein Insider. "Beide Unternehmen gehen davon aus, dass eine engere Zusammenarbeit erst nach einer Erholung der Marktsituation und damit nicht vor dem Jahr 2014 wahrscheinlich ist", sagte der zweite Insider. Denn die Bedingungen der französischen Regierung verhinderten die Streichung von Arbeitsplätzen in Frankreich, daher sei ein schneller Abschluss der Verhandlungen nicht möglich. "Es wäre politisch nicht möglich, nur in Deutschland (bei Opel) Stellen zu streichen."

BETRIEBSRAT VERLANGT BEKENNTNIS ZU ALLEN OPEL-STANDORTEN

Der Opel-Betriebsrat drängte die US-Konzernmutter General Motors, sich von Überlegungen über Werksschließungen und Massenentlassungen in Deutschland zu verabschieden. "GM muss ein klares Bekenntnis zu allen Opel-Standorten abgeben. Ohne dies wird sich die Marke nicht wiederbeleben lassen", warnte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Falls GM das Werk in Bochum schließen sollte oder Opel als Ganzes gar mit dem französischen Partner Peugeot zusammengelegt würde, käme dies einem Rückzug des Detroiter Autobauers aus Europa gleich. Damit würde GM dem Rivalen VW das Feld in Europa überlassen und müsste sich vom Anspruch verabschieden, weltweit Nummer eins zu werden.

GM und Volkswagen wetteifern um den Thron in der Automobilindustrie, auf dem sich der japanische Rivale Toyota in diesem Jahr beeindruckend zurückgemeldet hat. Schäfer-Klug verwies auf Nordamerika, wo die Niedersachsen GM zunehmend Konkurrenz machten. Noch sei die Marktstellung von VW dort zwar vergleichsweise klein, aber die Wachstumsraten der Wolfsburger seien enorm. In dieser Situation dürfe GM VW nicht den europäischen Markt überlassen. "GM wird den europäischen Markt mit seiner Marke Chevrolet nie so bestellen können wie mit Opel", betonte Schäfer-Klug.

General Motors verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat über ein Sparpaket, das bis Weihnachten unter Dach und Fach sein soll. Dabei geht es auch um die Zukunft der von Schließung bedrohten Fabrik in Bochum.   Fortsetzung...

 
The logos of German General Motors daughter Opel and French car maker Peugeot are seen at a Opel and Peugeot dealership in Leverkusen near Cologne October 22, 2012. Picture taken October 22. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY)