Konjunkturabkühlung belastet Gewinn von Bilfinger

Mittwoch, 14. November 2012, 10:23 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger bekommt die weltweite Konjunkturabkühlung zu spüren.

Das wirtschaftliche Umfeld sei angesichts der Stagnation in der Euro-Zone und schwächeren Wachstums in China zunehmend schwierig, teilte Bilfinger am Mittwoch mit. So habe der operative Gewinn (Ebita) von Juli bis September mit 105 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres verharrt, der Nettogewinn sei um fünf Prozent auf 57 Millionen Euro gesunken. Analysten hatten allerdings mit einem noch schwächeren Ergebnis gerechnet, so dass die Anleger bei der Aktie zugriffen. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Papiere verteuerte sich um mehr als drei Prozent auf 75,60 Euro.

Die schwache Konjunktur mache sich beim Projektgeschäft bemerkbar, erläuterte Bilfinger. Auch das Ende des Baubooms in Polen bekommt der Mannheimer Konzern zu spüren. Der Kraftwerksbau beschert dem Unternehmen im Ausland Zuwächse. Doch in Deutschland halten sich die Energieunternehmen mit notwendigen Neubauten und Erneuerungen zurück, weil noch viel Unsicherheit über die Energiewende herrscht.

Für das Gesamtjahr erwartet Konzern-Chef Roland Koch dennoch ein deutlich besseres Ergebnis als im Vorjahr. Mit einem Ebita von 350 Millionen Euro von Januar bis September liegt das Jahresziel von 450 bis 470 Millionen Euro in Reichweite. Unter dem Strich soll das Konzernergebnis auf 265 bis 275 Millionen Euro steigen gegenüber 220 Millionen Euro 2011, bekräftigte der ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten. Zu dem Zuwachs tragen allerdings Sonderfaktoren wie der Gewinn aus dem Verkauf von Anteilen der Bilfinger-Tochter in Nigeria bei, die der Konzern nach einem Korruptionsskandal abstößt. Der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen bei Aufträgen in Ungarn und der Slowakei hatten Bilfinger in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen gebracht. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt gegen vier Bilfinger-Manager, darunter den Geschäftsführer der österreichischen Konzerntochter, wie das Unternehmen bestätigte.

Auch bei den abgerechneten Leistungen übertraf Bilfinger die Marktprognose leicht. Mit 2,2 Milliarden Euro war die Leistung im dritten Quartal ein Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum. Auf Sicht von neun Monaten kletterte sie jedoch um ein Prozent auf 6,33 Milliarden Euro. Koch peilt als Zielmarke für 2012 eine Leistung von 8,4 Milliarden Euro an, etwa soviel wie 2011. Hintergrund ist der Rückzug Bilfingers aus dem Baugeschäft, in dem Konkurrent Hochtief der Marktführer in Deutschland ist. Die Mannheimer setzen dagegen stärker auf Bau- und Ingenieur-Dienstleistungen.