Air Berlin spielt Pläne für Personalabbau durch

Mittwoch, 14. November 2012, 12:51 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der harte Sanierungskurs von Air Berlin erfasst nun auch die eigenen Mitarbeiter.

Die defizitäre Fluglinie will offenbar jede zehnte Stelle streichen. Air Berlin wolle kommendes Jahr über 900 Jobs abbauen, berichtete der Nachrichtensender "n-tv" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Mitte des Jahres beschäftige Deutschlands zweitgrößte Fluglinie knapp 9400 Leute. Air Berlin erklärte am Mittwoch, das Management arbeite derzeit die Details seines Sparprogramms aus. "Ob dazu auch ein Stellenabbau gehört, kann zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt noch dementiert werden", sagte eine Sprecherin.

Ganz überraschend käme der Jobabbau nicht. Der Lufthansa-Konkurrent hatte Mitte Oktober angekündigt, das Tempo des Sparkurses zu verschärfen. Auf das laufende Kostensenkungs-Programm "Shape & Size" setzte Unternehmenschef Hartmut Mehdorn noch "Turbine 13" drauf, um wie geplant im kommenden Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Die Höhe der angestrebten Einsparungen oder mögliche Stellenstreichungen wurden offen gelassen. Die Bilanz für das dritte Quartal will die Airline am Donnerstag vorlegen.

WINTER KÖNNTE FÜR AIR BERLIN BESONDERS HART WERDEN

Analysten rechnen im Schnitt für den Zeitraum von Juli bis Ende September mit einem operativen Gewinn (Ebit) von 120 Millionen Euro sowie 60 Millionen Euro Überschuss. In dem Quartal verdienen Airlines üblicherweise wegen des Sommerreiseverkehrs gutes Geld, während in den buchungsschwachen Wintermonaten Verluste anfallen. Der anstehende Winter könnte Experten zufolge für Air Berlin besonders hart werden. "Der derzeit negative Ertragstrend könnte sich noch in den beiden Winterquartalen fortsetzen", sagte Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. Schwierig sei die Zeit für Air Berlin, da die Gesellschaft stark auf den Berliner Altflughafen Tegel angewiesen sei, der bereits bei gutem Wetter im Sommer aus allen Nähten platzt. Bei Frost und Schnee könnte der Flugverkehr dort schnell durcheinanderkommen, was für Air Berlin teure Verspätungen und Ausfälle bedeuten könnte, sagte er. Anleger reagierten verhalten auf den Bericht über den Stellenabbau: Die im Kleinwerteindex SDax notierte Aktie fiel um 1,7 Prozent auf 1,53 Euro.

Die gebeutelte Airline hat in den vergangenen Monaten bereits unrentable Flugverbindungen gestrichen, um die Auslastung ihrer Maschinen zu erhöhen und die Kosten zu senken. Mit dem bereits laufenden Schrumpf- und Sparprogramm will Air Berlin bis Ende 2012 die Kosten um 230 Millionen Euro drücken. Die Fluggesellschaft hat zuletzt 2007 einen Nettogewinn eingeflogen. Besserung ist bisher nicht in Sicht: Im zweiten Quartal stiegen die Verluste, die Eigenkapitalquote schrumpfte. Um über die Runden zu kommen, hat Air Berlin Ende 2011 Etihad an Bord geholt. Die Airline aus der Golf-Metropole Abu Dhabi sicherte sich 30 Prozent der Aktien und stellte ein Darlehen über 255 Millionen Dollar zur Verfügung. Davon hat Air Berlin bereits 200 Millionen Dollar abgerufen.

 
A scale model of an Air Berlin passenger jet is displayed during the company's annual general meeting (AGM) near Stansted airport in southern England June 10, 2009. REUTERS/Stefan Wermuth (BRITAIN BUSINESS TRANSPORT)