Bilfinger-Chef Koch verbittert über Korruption im Konzern

Mittwoch, 14. November 2012, 16:19 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Der Chef des Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, will angesichts der Korruptionsvorwürfe gegen Mitarbeiter des Unternehmens um das Vertrauen der Kunden kämpfen.

Die Vorfälle müssten sauber aufgearbeitet und lückenlos aufgeklärt werden, sagte der ehemalige hessische Ministerpräsident am Mittwoch. Die Geschäfte des Mannheimer Konzerns liefen in diesem Jahr dagegen gut. Der Unternehmenslenker Koch rechnet für das kommende Jahr angesichts der schwachen Konjunktur jedoch mit einem anstrengenden Ringen um stabile Gewinne.

Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Landshut gegen vier Bilfinger-Beschäftigte, darunter der Geschäftsführer der Konzerntochter in Wien. Dieser wurde ebenso wie der Geschäftsführer der Bilfinger-Niederlassung in der Slowakei in Zwangsurlaub geschickt. Die beiden anderen Verdächtigen arbeiten nicht mehr für Bilfinger. Ihnen allen werden Schmiergeldzahlungen bei Bauprojekten in Ungarn und der Slowakei in den Jahren 2006 und 2007 vorgeworfen.

Wie Koch erklärte, schaltete sich die Staatsanwaltschaft erst in diesem Jahr ein, nachdem bereits 2008 ein ehemaliger Mitarbeiter von Bilfinger einen Aktenvermerk zu einem Revisionsbericht mit Hinweisen auf die Affäre der Behörde übergeben hatte. Der Vermerk sei zuvor aber nicht an Vorgesetzte im Unternehmen weitergeleitet worden. "Wir sehen das mit gewisser Bitterkeit", sagte der ehemalige CDU-Politiker. Schließlich hatte Bilfinger 2006 ein internes Kontrollsystem gegen Korruption eingeführt, das 2010 mit Hilfe externer Berater noch verschärft worden war. Neue Verhaltens-Leitlinien für die Beschäftigten gelten seit Anfang November. Die Abteilung zu deren Überwachung wurde auf rund 20 Juristen in der Zentrale aufgestockt. Eine Hotline ermöglicht Mitarbeitern, auf Wunsch auch anonym auf Unregelmäßigkeiten hinzuweisen.

Der Konzern wird nach Worten von Koch keine Toleranz bei Verstößen gegen die Vorschriften walten lassen. "Wir handeln, wir sehen nicht nur zu - wir sind verantwortungsbewusst in dieser Frage", sagte der Manager, der Mitte 2011 aus der Politik an die Spitze von Bilfinger gewechselt war. Die Aufklärung sei eine "existenzielle Voraussetzung" für das Unternehmen, das täglich um das Vertrauen seiner Kunden kämpfe. Doch habe er als Neuling im Unternehmen nicht den Eindruck, dass System hinter den Vorfällen stecke.

KAMPF UM DIE MARGEN

Bilfinger war allerdings schon in der Vergangenheit bereits wegen einer Korruptionsaffäre in Nigeria in den Schlagzeilen. Aus dem Geschäft dort zieht sich der Konzern schrittweise zurück. Die Anteilsverkäufe in Nigeria und andere Veräußerungsgewinne verbesserten das Ergebnis in den ersten neun Monaten. Mit einem operativen Gewinn (Ebita) von 350 Millionen Euro von Januar bis September liegt das Jahresziel von 450 bis 470 Millionen Euro in Reichweite. Unter dem Strich soll das Konzernergebnis auf 265 bis 275 Millionen Euro steigen gegenüber 220 Millionen Euro im Vorjahr, bekräftigte Koch. Dies sei ein ordentliches Ergebnis. Auch 2013 will der Bilfinger-Chef "nicht als Pessimist durchs Land gehen". Doch werde der Kampf um die Margen vor allem im Industrieanlagenbau hart bleiben.

Im dritten Quartal bekam Bilfinger allerdings die Folgen der leichten Rezession in einigen europäischen Ländern zu spüren. So verharrte der operative Gewinn (Ebita) von Juli bis September mit 105 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, der Nettogewinn sank um fünf Prozent auf 57 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet, so dass die Anleger bei der Aktie zugriffen. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Papiere verteuerten sich um mehr als fünf Prozent auf 77,40 Euro, während der MDax leicht nachgab.