Air Berlin will Vielfliegerprogramm zu Geld machen

Donnerstag, 15. November 2012, 09:50 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Air Berlin will sein dünnes Finanzpolster mit dem Verkauf seines Vielfliegerprogramms aufbessern.

Geplant sei, die Mehrheit am Meilenprogramm "Topbonus" an ein Gemeinschaftsunternehmen zu verkaufen, das der Airline zusammen mit einem Investor gehöre, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie mit. Die Erlöse aus der Transaktion sollen bis Jahresende fließen. "Topbonus" zählt drei Millionen Mitglieder. Den Namen des Joint-Venture-Partners verriet das Unternehmen nicht. Bei Anlegern konnte die Fluggesellschaft nicht punkten: Die Aktie verlor am Donnerstagmorgen 0,7 Prozent.

Geld in den Unternehmenskassen brachte jüngst auch wieder das Fluggeschäft, nachdem hier in der ersten Jahreshälfte noch Verluste zu Buche schlugen. Im dritten Quartal kletterte der Betriebsgewinn (Ebit) um fünf Prozent auf 101 Millionen Euro - der Überschuss verdoppelte sich auf 67 Millionen Euro. Die schwarzen Zahlen sind nicht überraschend, da eigentlich alle Airlines im Sommer wegen des Urlaubsverkehrs gutes Geld verdienen. Bei Air Berlin zahlten sich zudem noch die Sparbemühungen aus: Mit dem bereits laufenden Schrumpf- und Sparprogramm drückte die Gesellschaft die Kosten in den ersten neun Monaten um 170 Millionen Euro - insgesamt sollen in diesem Jahr 230 Millionen Euro gespart werden. "Damit sind wir zwar auf dem richtigen Weg, die Reise ist aber noch nicht beendet", sagte Konzernchef Hartmut Mehdorn und kündigte weitere Kostensenkungen an.

Im Oktober hatte Air Berlin bereits erklärt, das Tempo des Sparkurses zu verschärfen: Auf das laufende Programm setzte Mehdorn noch "Turbine 2013" drauf. "Einschnitte in den bisherigen Betrieb werden nicht mehr ausgeschlossen", sagte der Ex-Bahnchef nun. In den kommenden acht Monaten wolle die Fluggesellschaft Arbeitsabläufe und Strukturen im Unternehmen nach weiteren Potenzialen für Einsparungen durchsuchen. Nur damit werde es gelingen, im nächsten Jahr wie geplant schwarze Zahlen zu schreiben. Details zu den geplanten Schritten verriet er nicht. Zuvor hatte ein Nachrichtensender berichtet, Air Berlin 900 Stellen abbauen wolle - das wäre jeder zehnte Job.

Mehdorn hat bei Air Berlin ein schweres Erbe angetreten. Unter seinem Vorgänger Joachim Hunold war die Airline rapide gewachsen und hatte Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Das machte sich in der Bilanz bemerkbar: Die Einkaufstour und die jahrelangen Verluste hinterließen Schulden von 850 Millionen Euro. Die Kapitaldecke konnte Air Berlin zuletzt aufbessern: Die Eigenkapitalquote stieg Ende September auf acht Prozent - Mitte des Jahres waren es noch vier Prozent. Viel ist auch das immer noch nicht: Andere Fluggesellschaften arbeiten mit 20 Prozent und mehr.

Im Gesamtjahr hat Air Berlin zuletzt 2007 einen Nettogewinn eingeflogen. Um über die Runden zu kommen, hat die Fluglinie Ende 2011 Etihad an Bord geholt. Die Airline aus der Golf-Metropole Abu Dhabi sicherte sich 30 Prozent der Aktien und stellte ein Darlehen über 255 Millionen Dollar zur Verfügung.