Kein Urteil im Streit Kirch vs Deutsche Bank in Sicht

Freitag, 16. November 2012, 11:32 Uhr
 

München (Reuters) - Am vorerst letzten Prozesstag im langjährigen Rechtsstreit der Kirch-Erben mit der Deutschen Bank ist noch immer kein Urteil in Sicht.

Beide Seite stritten am Freitag vor dem Oberlandesgericht München erneut über Detailfragen. Unter anderem hat sich der Ex-Finanzchef der Kirch-Mediengruppe, Brian Cook, der Ansicht von Deutschlands größtem Geldhaus angeschlossen. Die Anwälte der Bank betonten, der sogenannte Nebenintervenient habe in einem aktuellen Schriftsatz deutlich gemacht, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Insolvenz der Kirch-Gruppe und dem umstrittenen Interview von Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer zur Kreditwürdigkeit des mittlerweile verstorbenen Medienunternehmers gebe. Die Kirch-Seite bat darum, die Nebenintervention nicht zuzulassen. Prozessbeteiligten zufolge könnte Cook in einem anderen Verfahren gegen ihn bessere Karten haben, wenn sich die Deutsche Bank mit ihrer Sicht durchsetzt.

Das Gericht hörte zudem erneut den früheren Kirch-Vertrauten Dieter Hahn als Zeugen an. Die Klägerseite versucht, den geforderten Schadenersatz in Milliarden-Höhe zu rechtfertigen, weil nach dem Breuer-Interview die Banken den Geldhahn zugedreht haben und ein Einstieg des US-Konzerns Disney bei der damaligen Kirch-Tochter ProSieben platzte. Hahn sagte aus, Kirch habe ein Disney-Engagement benötigt, um die Insolvenz zu vermeiden. "Diese Transaktion sollte die Überlebensfähigkeit sichern." Ohne Unterstützung der Kirch-Banken hätte Disney aber nicht mitmachen wollen. Am Ende scheiterte der Deal. "Ich war enttäuscht", sagte Hahn.

Aus Sicht der Kirch-Familie hat das Breuer-Interview 2002 die Insolvenz ausgelöst. Die Bank bestreitet den Zusammenhang, betonte immer wieder, Kirch sei überschuldet gewesen und habe sich durch unternehmerische Fehlentscheidungen ins Abseits manövriert.

Theoretisch könnte noch am Freitag ein Urteil fallen, weil zunächst keine weiteren Termine angesetzt sind. Die Prozessbeteiligten gehen allerdings nicht davon aus. Richter Guido Kotschy hatte sich immer wieder für einen Vergleich starkgemacht, war damit aber stets gescheitert. Eine Einigung über gut 800 Millionen Euro zur Beendigung der Fehde war Anfang des Jahres an der Deutschen Bank gescheitert. Das Geldhaus gab sich auch zuletzt unversöhnlich.