Insider: Maschinenbauer MAG geht nach China oder Japan

Sonntag, 18. November 2012, 13:57 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der neue Eigentümer des schwäbischen Werkzeugmaschinenbauers MAG Group kommt aller Voraussicht nach aus China oder aus Japan.

Die Investmentbank Goldman Sachs habe den Kreis der Bieter auf zwei reduziert, sagten drei mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende: die japanische Komatsu und die staatliche chinesische Sinomach. Beide hätten sowohl für den europäischen als auch den amerikanischen Teil des Unternehmens aus Göppingen geboten. Die Offerten reichten bis zu 700 Millionen Euro. Ein MAG-Sprecher nahm zu den Angaben keine Stellung, bestätigte aber, dass der neue Eigentümer bis zum Jahresende gefunden sein solle.

Als Favorit gilt der vor allem für seine Baumaschinen und Bagger bekannte Komatsu-Konzern, der auch zu den drei größten Werkzeugmaschinenbauern gehört. MAG rangiert nach Branchendaten ebenfalls unter den größten 15 der Branche. Die Banken, die bei MAG Europa über einen Treuhänder das Sagen haben, hegten Skepsis gegen einen Eigentümer aus China, sagte einer der Insider. Ein anderer sagte, Sinomach habe offenbar nicht das höchste Gebot abgegeben. Ein Erlös von 700 Millionen Euro wäre deutlich mehr als MAG zunächst erwarten konnte.

Ein Insider sagte, für den amerikanischen Teil von MAG, der vor allem für die Luftfahrtindustrie arbeitet, gebe es weitere Interessenten, so dass weiterhin die Möglichkeit bestehe, das Unternehmen in zwei Teilen zu verkaufen.

Der Verkaufspreis kommt zum größten Teil dem US-Investor Mo Meidar zugute, der die MAG-Gruppe vor sieben Jahren unter anderem aus Teilen von IWKA (Ex-Cell-O, Boehringer) und ThyssenKrupp (Hüller Hille, Witzig & Frank) geschmiedet hatte. Er hatte aber mit einem riskanten Finanzgebaren das Vertrauen der Banken - darunter die Commerzbank und die Deutsche Bank - verloren und musste in Europa die Schlüssel bei MAG abgeben. Im US-Geschäft hat er weiterhin das Sagen. Im Zuge des Verkaufs soll ein französisches Werk an den US-Teil angedockt werden, im Tausch gegen eine US-Fabrik, die wie MAG Europa vor allem für die Automobilindustrie produziert.

MAG hatte in der Rezession mangels Aufträgen von seinem Kassenbestand gezehrt - dieses Geld fehlte, als der Konzern die Produktion bei anspringender Konjunktur wieder hochfuhr. Finanzkreisen zufolge hat Meidar in den vergangenen Jahren auch immer wieder Geld aus dem Unternehmen gezogen. Im vergangenen Jahr setzte MAG mit 3500 Mitarbeitern rund 900 Millionen Euro um, davon 560 Millionen in Europa. Der operative Gewinn (Ebitda) lag bei 105 Millionen Euro. Der europäische Teil schrieb aber 2011 wegen defizitärer Aufträge einen Verlust.