Telekom und Gewerkschaften streiten heftig über US-Tochter

Sonntag, 18. November 2012, 16:08 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Streit zwischen der Deutschen Telekom und den Gewerkschaften über die Zustände bei T-Mobile USA steht vor der Eskalation.

Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder warf der Telekom in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters vor, sie lasse bei der US-Tochter ein Klima zu, in dem Mitarbeiterrechte verletzt würden. Schröder sagte am Sonntag, er sei einen Monat lang von Callcenter zu Callcenter durch die USA gereist. Die Mitarbeiter der Telekom-Tochter dort hätten ihm gegenüber von einem "Klima der Tyrannei" gesprochen. Schröder ist Telekom-Aufsichtsratsvize und dürfte daher das Thema auch im Kontrollgremium des Unternehmens zur Sprache bringen.

Der "Spiegel" meldete am Sonntag, Callcenter-Mitarbeiter hätten "als sichtbares Zeichen ihres Versagens Eselsmützen tragen oder Strafarbeiten schreiben" müssen. Das gehe aus einem Dossier hervor, das Schröder mit dem Chef der US-Kommunikationsgewerkschaft CWA, Larry Cohen, erarbeitet habe. Darin seien auch willkürliche Kündigungen dokumentiert. Die Gewerkschaften wollten nun eine öffentliche Kampagne gegen die Telekom starten und auch Politiker und Ministerien "in Stellung bringen". Schröder sagte Reuters, demnächst würden auf der Verdi-Webseite Video-Botschaften von betroffenen US-Mitarbeitern veröffentlicht.

Telekom-Chef Rene Obermann wies die Vorwürfe im "Spiegel" zurück: "Wir nehmen jeden Einzelfall ernst, untersuchen ihn und stellen Missstände ab, sollten sie vorhanden sein", zitiert ihn das Magazin. Ansonsten glaube er an eine "offensichtliche" Kampagne der Gewerkschaften, um ihren "Einfluss und ihre Machtstellung in den USA zu vergrößern".

Nach Ansicht der Gewerkschaften handelt es sich nicht um Einzelfälle. Schon 2010 hatte Verdi beklagt, das Management in den USA "führe sich wie zu Zeiten des Frühkapitalismus auf". Mit allen Mitteln werde der Schwestergewerkschaft CWA der Zugang zu den Beschäftigten von T-Mobile in den USA verwehrt. Im Juli hatte Verdi sich bei der OECD über die Telekom beschwert.

Die Personalabteilung der Telekom weist laut "Spiegel" zurück, dass es sich um systematisches Vorgehen handele. Bei einigen älteren Fällen sei das Verhalten der Vorgesetzten bereits abgestellt worden.

T-Mobile USA ist seit längerem das Sorgenkind der Telekom: Wegen der US-Tochter fuhr sie im dritten Quartal den größten Verlust seit zehn Jahren ein. Die Wertberichtigung wegen der geplanten Fusion der Amerika-Tochter mit dem Rivalen MetroPCS sorgte für einen Fehlbetrag von 6,9 Milliarden Euro. Für die Telekom ist der Zusammenschluss dabei nur die zweitbeste Lösung: Eigentlich wollten die Bonner T-Mobile USA im vergangenen Jahr für 39 Milliarden Dollar an AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten aber die Transaktion.

 
The logo of Deutsche Telekom AG is seen on top of the company's headquarter in Bonn May 24, 2012. Deutsche Telekom believes a complete sale of its T-Mobile USA unit is unlikely, the company told shareholders on Thursday, as it continues its search for a long-term solution for the troubled business. Picture taken with a tilt-shift lens. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS LOGO)