ThyssenKrupp geht bei Stahlwerksverkauf in neue Runde

Montag, 19. November 2012, 17:20 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp hat beim geplanten Verkauf seiner Stahlwerke in Übersee die nächste Runde eingeläutet.

"In der jetzt gestarteten zweiten Phase wird einer Auswahl von Interessenten die Möglichkeit gegeben, die Werke im Rahmen einer so genannten Due Diligence zu analysieren und verbindliche Kaufangebote abzugeben", teilte der Konzern am Montag mit. Er bekräftigte, dass sowohl eine Veräußerung der Werke in den USA und Brasilien als Einheit als auch ein separater Verkauf möglich sei. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Im Rennen seien noch eine Handvoll Bieter, hatten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Noch dabei seien die amerikanischen Konkurrenten US Steel und Nucor, die japanischen Stahlkocher Nippon Steel und JFE Steel sowie CSN aus Brasilien. Unklar ist, ob Weltmarkführer ArcelorMittal weiter im Rennen ist. Als größter Stahlkonzern der Welt und mit einem Standbein in Amerika schaue sich der Konzern die Anlagen natürlich an, hatte Finanzchef Aditya Mittal im vergangenen Monat gesagt. Die Konzerne hatten wie auch ThyssenKrupp eine Stellungnahme dazu abgelehnt.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger will bei dem Verkauf der zwölf Milliarden Euro teuren Werke mindestens den noch übrigen Buchwert von sieben Milliarden Euro erzielen. Analysten haben den Wert allerdings nur auf drei bis vier Milliarden Euro beziffert. Hiesinger treibe den Verkauf mit Hochdruck voran, war aus Konzernkreisen verlautet. Ein Verkauf beider Anlagen an einen Bieter sei allerdings unwahrscheinlich. Auch Hiesinger selbst hatte sich dahingehend geäußert.

Die Anlage in den USA, die Rohstahl weiterverarbeitet, könnte für Konkurrenten interessant sein, die in den US-Markt eintreten oder ihre Präsenz ausbauen wollen. Das Werk in Brasilien kann jährlich rund fünf Millionen Tonnen Rohstahl produzieren. Es könnte für heimische Stahlkonzerne attraktiv sein, die ohnehin eine neue Anlage bauen wollen. ThyssenKrupp liegt allerdings wegen Belastungen der Umwelt im Clinch mit den Behörden. Das Stahlwerk hat eine Pannenserie hinter sich und konnte nur allmählich hochgefahren werden.

 
A blast furnace is pictured at the steelworks of German steel maker ThyssenKrupp AG in Bruckhausen, a suburb of the western German city of Duisburg October 2, 2012. Picture taken October 2. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS COMMODITIES)