Bund versilbert gut 11.000 Wohnungen

Montag, 19. November 2012, 13:22 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - In Deutschland geht kurz vor Jahresende ein weiterer großer Immobiliendeal über die Bühne:

Die Bundesregierung privatisiert ihre Immobiliengesellschaft TLG und verkauft rund 11.350 Wohnungen an den Hamburger Immobilienkonzern TAG, wie beide Seiten am Montag mitteilten. TAG legt für das Paket inklusive Schulden 471 Millionen Euro auf den Tisch. Wer den Zuschlag für das ungleich größere Portfolio an Gewerbeimmobilien aus dem Bestand der TLG bekommt, blieb zunächst offen. Hier laufen die Verhandlungen noch, sind nach Angaben des Finanzministeriums aber in der "finalen Phase". Ein Abschluss werde noch 2012 erwartet. Nach Informationen aus Branchenkreisen kann sich der US-Finanzinvestor Lone Star sehr gute Chancen ausrechnen.

Reuters hatte bereits vor Wochen aus Verhandlungskreisen erfahren, dass TAG die TLG-Wohnungen bekommt. Sie liegen überwiegend in Ostdeutschland. Das Hamburger Unternehmen ist seit Jahren auf Expansionskurs, mit der TLG verwaltet es nun bundesweit rund 70.000 Wohnungen und ist endgültig in die Liga der größten börsennotierten Wohnungsgesellschaften in Deutschland - neben Gagfah und Deutsche Wohnen - aufgestiegen. "Der Deal zeigt, dass es auch im aktuellen Marktumfeld möglich ist, profitabel zu wachsen", erklärte Vorstandschef Rolf Elgeti. Der Zukauf werde das operative Ergebnis der TAG weiter ankurbeln, denn die Wohnungen seien alle sehr gut vermietet, der Leerstand sei niedrig.

Anleger reagierten dennoch vergrätzt. Denn Elgeti bittet die Aktionäre der TAG abermals über eine Kapitalerhöhung zur Kasse: Er will bis zu 30 Millionen neue Aktien ausgeben, was dem Unternehmen rund 240 Millionen Euro in die Kasse spülen soll. Die im Nebenwerteindex MDax notierte TAG-Aktie verlor bis zum Mittag über zwei Prozent auf 8,32 Euro.

ZWEITER ANLAUF

Für den Bund ist es bereits der zweite Anlauf zur Privatisierung der TLG Immobilien - ein erster war 2008 wegen der Finanzkrise gescheitert. Dieses Jahr wechselten hierzulande schon etliche große Pakete den Besitzer, das Interesse in- und ausländischer Investoren an Immobilienanlagen in Deutschland ist hoch. Von der Marktbelebung wollte auch der Bund profitieren - und lockte mit der TLG, einem Erbe der Treuhand, etliche Finanzinvestoren an. Doch gerade der Verkauf von Wohnungen an Beteiligungsgesellschaften - die den übernommenen Firmen oft hohe Schulden aufbürden und daher auch als "Heuschrecken" gebrandmarkt werden - ist in Deutschland umstritten.

Mit dem Verkauf an die TAG, die sich zu einem umfassenden Mieterschutz verpflichtet, umschiffte die Bundesregierung dieses Problem. "Wir freuen uns, mit der TAG Immobilien AG einen Investor gefunden zu haben, für den die Bestandsbewirtschaftung im Vordergrund steht und der sich zu einer weiterhin soliden Entwicklung der TLG WOHNEN verpflichtet hat", erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Der Bund wird bei der Privatisierung von der Investmentbank Barclays beraten, die Hamburger TAG von Credit Suisse. Der Konzern muss für den Zukauf gut 200 Millionen Euro in bar aufbringen - und braucht dafür die Kapitalerhöhung. Für 17 alte Aktien können die Anleger fünf neue zeichnen. Der Angebots- und Bezugspreis der neuen Papiere wird voraussichtlich am 3. Dezember festgelegt.