Fluggesellschaft SAS kommt mit Sanierungsplan voran

Dienstag, 20. November 2012, 08:24 Uhr
 

Kopenhagen (Reuters) - Die skandinavische Fluggesellschaft SAS kommt mit ihrem Sanierungsplan voran.

Der Lufthansa-Partner in der Star Alliance einigte sich am Montag doch noch mit allen acht beteiligten Gewerkschaften auf Gehaltskürzungen sowie Änderungen bei Arbeitszeiten und Rentenverträgen, teilte SAS, die zur Hälfte den Regierungen in Schweden, Dänemark und Norwegen gehört, am Montag mit. Eigentlich war am Sonntag eine Frist dafür abgelaufen. Die Verhandlungen wurden aber fortgesetzt. Die massiven Kostensenkungen sollen die Finanzierung der Airline und damit ihr Überleben sichern.

Zuletzt stimmte die Gewerkschaft des Kabinenpersonals in Dänemark zu. Die Übereinkunft kann SAS-Chef Rickard Gustafson als Etappensieg verbuchen. Die Aktien der 1951 gegründeten Fluggesellschaft verteuerten sich zu Wochenbeginn um über 23 Prozent. Jetzt fehlt nur noch eine Formalie: Die Gewerkschaftsvertreter der dänischen Piloten müssen noch mit mindestens einem Drittel ihrer Mitglieder grünes Licht geben. Das wird SAS zufolge in den nächsten Tagen erwartet.

SAS machen Billig-Anbieter wie Ryanair oder Norwegian schwer zu schaffen. Seit 2007 hat das Unternehmen keinen Jahresgewinn mehr erwirtschaftet. Deshalb will sich die Airline nun von 6000 der rund 15.000 Beschäftigten trennen und einen drastischen Sparplan umsetzen. Dazu gehört ein Kredit über umgerechnet 400 Millionen Euro (3,5 Milliarden schwedische Kronen), der von sechs Banken und den staatlichen Anteilseignern gestellt wird. Bedingung dafür ist die Einigung mit allen Gewerkschaften gewesen.

"ZERMÜRBENDER PROZESS"

"Das war ein zermürbender Prozess", sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft des norwegischen Kabinenpersonals. "Wir haben große Zugeständnisse gemacht. Wir sind nicht glücklich, hatten aber auch keine andere Wahl, um die Arbeitsplätze und das Unternehmen zu erhalten."

Mit der drohenden Insolvenz im Rücken wurden Piloten am Sonntag angewiesen, ihre Flugzeuge vollzutanken, um bei Bedarf zurückfliegen zu können. Die Flugbegleiter bekamen Bargeld, um sicherzustellen, dass sie ein Hotel bezahlen konnten. Wie lange die Barmittel des Unternehmens ohne den neuen Kredit reichen, wollte SAS nicht sagen.

Die Airline leidet unter strukturell hohen Kosten. Nun soll der Lohn des Kabinenpersonals im Schnitt um zwölf Prozent gesenkt werden, in anderen Teilen des Unternehmens sogar um bis zu 17 Prozent. 800 Stellen sollen gestrichen werden. Zudem soll die Mitarbeiterzahl durch den Verkauf der Regional-Airline Wideroe und des Boden-Dienstleisters um mindestens 5000 sinken.

Ob SAS mit dem Sparprogramm unabhängig überleben kann, wird trotzdem bezweifelt. SAS ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die derzeit massiv Arbeitsplätze abbaut: Bei der spanischen Iberia sollen 4500 Stellen wegfallen. Und auch die Lufthansa will sparen.

- von Johan Ahlander und Anna Ringstrom

 
A loader sits in the cargo bay of an SAS Boeing 737 aircraft parked at Arlanda airport's Terminal Five, north of Stockholm November 13, 2012. Crisis-hit Scandinavian airline SAS has no room to cut a deal with unions to ease the pain of pay cuts and job losses as it fights for survival, its chief executive Rickard Gustafson said on Tuesday. REUTERS/Johan Nilsson/Scanpix (SWEDEN - Tags: TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT) THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. SWEDEN OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SWEDEN. NO COMMERCIAL SALES