Zulieferer Schaeffler erwartet 2012 weniger Wachstum

Dienstag, 20. November 2012, 12:02 Uhr
 

München (Reuters) - Nach einem Gewinneinbruch hat der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler seine Ziele für 2012 zurückgeschraubt.

Der Umsatz werde nicht wie geplant um mehr als fünf Prozent zulegen, kündigte der Konzern am Dienstag in Herzogenaurach an. Stattdessen erwartet der Continental-Großaktionär jetzt ein Plus von rund vier Prozent. Die Schuldenkrise im Euroraum und das langsamere Wachstum in Asien trübten die Aussichten. Für das laufende vierte Quartal sei nicht mit einer Belebung des weltweiten Wirtschaftswachstums zu rechnen. Weil die Nachfrage zurückgehen dürfte, schaut Schaeffler stärker auf die Kosten und reduziert Kapazitäten.

Dazu würden Zeitkonten abgebaut und einzelne Schließtage angesetzt, etwa über Weihnachten, sagte ein Sprecher. Dies sei je nach Standort unterschiedlich. Kurzarbeit sei derzeit kein Thema. Über den Jahreswechsel hinaus gebe es für das erste Quartal 2013 noch keine Pläne. Schaeffler hatte bereits im Sommer laut über eine Drosselung der Produktion nachgedacht. Wie viele andere Zulieferer und Autobauer, die bereits ihre Prognosen zurückgenommen haben, bekommen die Franken die Pkw-Absatzkrise in Europa zu spüren. Zudem liefen die Geschäfte mit Komponenten für Windkraftanlagen und den Maschinenbau schlechter. Der fränkische Familienbetrieb, der sich vor Jahren fast mit der Übernahme des weitaus größeren Reifenherstellers Continental verhoben hätte, stellt unter anderem Komponenten für Getriebe und Motoren sowie Wälz- und Gleitlager für die Schwerindustrie oder für Schienenfahrzeuge her.

Im Industrie-Segment brach das Ergebnis in den ersten neun Monaten um 23 Prozent ein, in der Kernsparte Automotive schrumpfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um elf Prozent. "Das Marktumfeld hat sich im Laufe des dritten Quartals weiter eingetrübt", sagte Vorstandschef Jürgen Geißinger. Zu Buche schlugen nach Firmenangaben auch höhere Mitarbeiterzahlen; zuletzt arbeiteten fast 77.000 Menschen für den Konzern, eine Zunahme von fünf Prozent. Der Umsatz mit Teilen für die Autoindustrie legte von Januar bis Ende September um sieben Prozent zu. Schaeffler profitiert davon, dass in den USA und in Asien die Nachfrage nach Fahrzeugen weiter hoch ist.

Der Konzernumsatz stieg um vier Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Während das Geschäft in Nordamerika nochmals leicht zugelegt habe, sei das Wachstum in der Region Asien/Pazifik langsamer ausgefallen als im ersten Halbjahr, hieß es. In Südamerika brach der Umsatz ein, in Europa betrug der Zuwachs ein Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank in den ersten neun Monaten um 15 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Die operative Rendite belief sich damit auf 13,6 Prozent, nach 16,7 Prozent vor einem Jahr. Für das Gesamtjahr hält Schaeffler an seinem Rendite-Ziel von mehr als 13 Prozent fest.