Easyjet fliegt in der Krise Konkurrenz davon

Dienstag, 20. November 2012, 12:53 Uhr
 

London (Reuters) - Der britische Billigflieger Easyjet lässt mit einem kräftigen Gewinnplus die in der Wirtschaftskrise gebeutelte Konkurrenz am Boden zurück.

Die nach Ryanair zweitgrößte Discount-Airline Europas flog mit umgerechnet 394 Millionen Euro (317 Millionen Pfund) in dem Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2011/12 einen 28 Prozent höheren Vorsteuergewinn ein. Der Konzern profitierte vor allem vom wachsenden Drang britischer Fluggäste in Richtung sonniger Ziele wie Alicante in Spanien und Faro in Portugal, wie Easyjet am Dienstag mitteilte. Damit trotzte der Konzern - anders als Rivalen wie SAS und British Airways - der Misere aus hohen Kerosinkosten und Kundenzurückhaltung. An der Londoner Börse verteuerten sich Easyjet-Aktien um mehr als sechs Prozent.

Die Fluggesellschaft mit dem orangefarbenen Logo teilte weiter mit, neben Zielen in Spanien und Portugal auch die Zahl der Flüge zwischen wichtigen Wirtschaftsmetropolen ausgebaut zu haben. Der im südenglischen Luton ansässige Konzern ist die größte Airline am Londoner Flughafen Gatwick. Die Zahl der Passagiere stieg Easyjet zufolge im Gesamtjahr um 7,1 Prozent auf 58,4 Millionen. Die Auslastung der Maschinen wuchs um 1,4 Punkte auf 88,7 Prozent. Der Umsatz erhöhte sich um fast zwölf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro (3,85 Milliarden Pfund).

"Diese Ergebnisse zeigen, dass Easyjet im europäischen Kurzstreckenmarkt sowohl gegenüber traditionellen Fluggesellschaften als auch anderen Low-Cost-Carriern ein struktureller Gewinner ist", sagte Firmenchefin Carolyn McCall. Seit sie im Juli 2010 ans Ruder kam, hat das Unternehmen seinen Gewinn verdoppelt. An der positiven Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr will der Konzern auch die Aktionäre beteiligen: Easyjet schüttet eine mehr als doppelt so hohe Dividende aus als noch ein Jahr zuvor. Zudem werde angestrebt, künftig jährlich jeweils ein Drittel des Nachsteuergewinns an die Eigner auszuzahlen.

LUFT FÜR BRANCHENRIESEN WIRD IN DER KRISE DÜNNER

Der Easyjet-Erfolg unterstreicht, dass Discounter in der aktuellen Krise weiter auf Erfolgskurs sind - während die Luft für lange am Markt etablierte Branchengrößen immer dünner wird. Sie können ihre Kosten oft nicht schnell genug senken. So durchkreuzte bei der Lufthansa zuletzt die Gewerkschaft Ufo die Sparpläne: Die Kranich-Airline musste sich mit einem millionenschweren Tarifabschluss den Frieden ihrer streikerprobten Flugbegleitern erkaufen. Zugleich liefen die Geschäfte der Frankfurter im vergangenen Quartal aber rund, operativer Gewinn und Umsatz zogen an.

Die ums Überleben kämpfende skandinavische SAS rang den Gewerkschaften nur mit Mühe Gehaltskürzungen zur massiven Kostensenkung ab. Ihr machen Billiganbieter wie Ryanair oder Norwegian schwer zu schaffen. Generell profitieren diese von der Tendenz der Kunden, in der Krise verstärkt auf die Kosten zu schauen und günstigere Angebote vorzuziehen. Außerdem sind die Flug-Discounter schnell zur Stelle, wenn sich neue Möglichkeiten ergeben - wie zuletzt durch das Aus der Rivalen Spanair sowie Malev aus Ungarn.

Easyjet-Chefin McCall erklärte, immer mehr Geschäftskunden zu gewinnen, weil diese zunehmend kostenbewusst seien. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen Rahmenvereinbarungen für Dienstreisen mit dem britischen Parlament, dem britischen Verteidigungsministerium sowie mit Banken und Versicherungen abschließen können.