Früherer UBS-Händler bekommt sieben Jahre Gefängnis

Dienstag, 20. November 2012, 17:54 Uhr
 

London (Reuters) - Im größten Banken-Betrugsprozess der britischen Geschichte hat ein Londoner Geschworenen-Gericht den früheren UBS-Wertpapierhändler Kweku Adoboli zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Die zehn Geschworenen des Londoner Southwark Crown Courts kamen am Dienstag zu dem Schluss, dass der 32 Jahre alte frühere Händler für börsennotierte Indexfonds (ETF) einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar verursacht hat. Der Skandal hatte im Herbst des vergangenen Jahres zum Rücktritt des damaligen Konzernchefs Oswald Grübel geführt. Die Geschworenen sprachen ihn des Betrugs in zwei Fällen schuldig. Vom Vorwurf der Bilanzfälschung in vier Fällen wurde Adoboli freigesprochen.

In dem rund zehn Wochen dauernden Prozess gab Adoboli zu, dass er von 2008 bis zu seiner Verhaftung im September 2011 Handelslimiten der Bank weit überzog und seine unerlaubten Transaktionen mit Scheinbuchungen auf geheimen Konten tarnte. Betrugsabsichten wies er aber von sich und plädierte auf nicht schuldig in allen sechs Anklagepunkten. Er habe immer nur das Beste für UBS im Auge gehabt. Die Bank habe ihn zu immer höheren Risiken verführt, sagte er vor Gericht. Seine Vorgesetzten hätten sein Handeln stillschweigend geduldet solange es Gewinn abgeworfen habe. Auch andere UBS-Händler hätten mit geheimen Konten gearbeitet.

Richter Brian Keith nahm ihm das nicht ab. "In ihnen ist ein starkes Wesenszugs eines Spielers. Sie waren überheblich genug zu glauben, dass die Regeln der Bank für sie nicht galten", sagte der Richter als er das Strafmaß verkündete. Da Adoboli bereits Zeit in Untersuchungshaft verbrachte, könnte er in etwa zweieinhalb Jahren auf Bewährung freikommen.

Die Anklage hatte in dem rund zehn Wochen langen Verfahren von Adoboli das Bild eines gewissenlosen Zockers gezeichnet, der in betrügerischer Absicht vorgegangen sei und die Bücher gefälscht habe, um seine Taten zu verheimlichen. Getrieben habe ihn Ehrgeiz und der Drang nach Erfolgsprämien. Erst als ihm bankinterne Kontrolleure auf die Spur gekommen seien, habe er seine Taten seinen Vorgesetzten gebeichtet. Adoboli hatte bis zu seiner Verhaftung acht Jahre lang bei der Investmentbank der UBS in London gearbeitet. Im August 2011 soll er Risiken im Volumen von zwölf Milliarden Dollar aufgebaut haben. Von der Bank genehmigt waren ihm lediglich 100 Millionen Dollar.

Um ihn schuldig zu sprechen, mussten die Geschworenen zu der Überzeugung kommen, dass er seine Bank in Risikosituationen manövrierte, die weit über das hinausgingen, was ein Händler normalerweise tut. Um ihn auch wegen Bilanzfälschung zu verurteilen, hätten die Geschworenen sicher sein müssen, dass er die Falschbuchungen um eines persönlichen Vorteils willen vornahm.

Bei UBS selbst hatte der Londoner Handelsskandal weitreichende Folgen. Konzernchef Oswald Grübel trat zurück und wurde durch den damaligen Europa-Chef Sergio Ermotti ersetzt. Unter der Ermottis Führung kündigte die Bank vor wenigen Wochen drastische Einschnitte im Investmentbanking und den Abbau von 10.000 Arbeitsplätze im ganzen Konzern an. Die ETF-Abteilung, in der Adoboli arbeitete und zeitweise wegen hoher Gewinne einen Status als Starhändler genoss, soll es aber weiterhin geben.

UBS NIMMT URTEIL ZU KENNTNIS

UBS erklärte die Bank, sie nehme zur Kenntnis, dass die Gerichtsverhandlung zu einem Abschluss gekommen sei. Die Bank dankte "der Polizei und den britischen Behörden für ihr professionelles Vorgehen". Dass UBS keinen weiteren Kommentar dazu abgeben wollte, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass die Angelegenheit für die Bank noch nicht zu Ende ist. Die Banken-Aufsichtsbehörden in der Schweiz (FINMA) und in Großbritannien (FSA) leiteten bereits im vergangenen Jahr Untersuchungen ein, die aber für die Dauer des Verfahrens gegen Adoboli zumindest nach außen ruhten. Die Behörden gehen der Frage nach, ob die Risiko-Kontrolle der UBS immer ausreichend waren. Sollten die Behörden Mängel feststellen, werden sie organisatorische und personelle Konsequenten verlangen. Die britische FSA dürfte die Bank auch zu einer Geldstrafe verurteilen. Dazu ist die Schweizer FINMA nicht berechtigt.

UBS setzte bereits Verbesserungen bei der Risikokontrolle um. Die damalige Risiko-Chefin und die beiden Chefs des globalen Aktienhandels nahmen bereits im letzten Jahr den Hut.

 
Former UBS trader Kweko Adoboli arrives at Southwark Crown Court in London, November 19, 2012. REUTERS/Stefan Wermuth (BRITAIN - Tags: BUSINESS CRIME LAW)