Wohnungskonzern Gagfah hält sich in Dresden alles offen

Mittwoch, 21. November 2012, 15:23 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der hoch verschuldete Immobilienkonzern Gagfah will in Kürze über den Verkauf seiner 38.000 Wohnungen in Dresden entscheiden.

Das sagte Vorstandschef Stephen Charlton am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalszahlen. Die Verhandlungen mit den Bietern laufen auf Hochtouren, Finanzkreisen zufolge ist auch die Konkurrentin Deutsche Wohnen dabei. Das Dresdner Paket steht mit 1,8 Milliarden Euro in den Büchern. Darauf lasten Kredite, die im Mai 2013 auslaufen. Charlton versuchte allerdings den Eindruck zu zerstreuen, Gagfah müsse die Tochter Woba verkaufen. "Wir können sie auch selbst refinanzieren", erklärte er.

Die Gagfah stört sich offenbar daran, dass viele Interessenten auf ein Schnäppchen gehofft hatten. Der Konzern will die gut vermieteten Plattenwohnungen in der sächsischen Landeshauptstadt nicht für lau abgeben, doch die Preisvorstellungen der Bieter gingen am Anfang nach Angaben aus Verhandlungskreisen auf bis zu 1,6 Milliarden Euro hinunter. Ungewiss ist indes, ob die Banken bei der Refinanzierung der Woba mitziehen würden. Denn Gagfah steht insgesamt mit über fünf Milliarden Euro in der Kreide: Im Sommer 2013 läuft auch ein großer Kredit aus, der auf der Gagfah selbst lastet. Hier will der Konzern spätestens im zweiten Quartal eine Einigung mit den Banken erreichen.

Den Einzelverkauf von Wohnungen treibt Deutschlands größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft, die mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehört, derweil voran: In den ersten neun Monaten schlug Gagfah gut 2000 Wohnungen für knapp 140 Millionen Euro los, im Gesamtjahr wird ein Verkaufsvolumen von bis zu 230 Millionen Euro angepeilt. Das spült zwar Geld in die Kasse. Doch wenn der Bestand kleiner wird, sinken auch die Mieteinnahmen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging deshalb im dritten Quartal auf 79,6 (Vorjahreszeitraum: 89,2) Millionen Euro zurück und fiel damit schwächer aus als von Analysten erwartet. Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO), das Verkäufe nicht einbezieht, verbesserte sich dagegen auf 29,9 (21,8) Millionen Euro - auch weil Sonderbelastungen aus dem Vorjahr wegfielen, etwa Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten.

Anleger überzeugte der Zwischenbericht nicht. Die Gagfah-Aktie verlor bis zum Nachmittag über ein Prozent und zählte damit zu den Schlusslichtern im Nebenwerteindex MDax. Mit 8,18 Euro notieren die Anteilsscheine weiter deutlich unter dem Nettovermögenswert (NAV) pro Aktie, den Gagfah per Ende September mit 13,15 Euro angab.