Facebook will Mitspracherecht der Nutzer kippen

Donnerstag, 22. November 2012, 08:00 Uhr
 

San Francisco (Reuters) - Facebook will das seit vier Jahren praktizierte Mitbestimmungsrecht der Mitglieder über die Nutzungsregeln des sozialen Netzwerks abschaffen.

Das System habe nicht so funktioniert wie geplant, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Es habe eine Vielzahl von Kommentaren ausgelöst, bei denen die Qualität immer mehr in den Hintergrund getreten sei. Bisher muss Facebook seine Mitglieder über Änderungen der Nutzungsregeln abstimmen lassen, wenn vorher mehr als 7000 Äußerungen zu einem bestimmten Vorhaben eingegangen waren. Damit das Votum bindend ist, müssen mindestens 30 Prozent der inzwischen rund eine Milliarde Facebook-Nutzer ihre Stimme abgeben. Doch dies scheiterte bei den letzten zwei Abstimmungen.

Kommentieren können die Nutzer derzeit noch zwei weitere Änderungsvorschläge, die Facebook ebenfalls am Mittwoch vorstellte. So will das Netzwerk Beschränkungen im E-Mail-Verkehr zwischen seinen Mitgliedern lockern. Abgeschafft werden soll demnach die Möglichkeit, E-Mails bestimmter Absender grundsätzlich abzulehnen. Diese solle ersetzt werden durch neue Filter. Zudem kündigte Facebook an, Nutzer-Daten künftig auch mit Tochtergesellschaften wie dem Smartphone-Foto-Dienst Instagram teilen zu wollen. Durch die größere Durchlässigkeit will Facebook nach eigenem Bekunden den Nutzern neue Möglichkeiten eröffnen.

Damit könnte Facebook versuchen, den Weg für ein umfassendes Nutzer-Profil zu ebnen. Ein ähnlicher Schritt hatte beim Rivalen Google Datenschützer auf den Plan gerufen. Auch Facebook steht wegen seines Umgangs mit der Privatsphäre der Internet-Nutzer immer wieder in der Kritik. Mit den jüngsten Änderungsplänen wartet das soziale Netzwerk auf, nachdem sich das Umsatzwachstum des inzwischen börsennotierten Konzerns zuletzt drastisch verlangsamt hatte. Facebook erzielt den größten Teil seines Umsatzes durch Werbung im Web.

 
Facebook Chief Executive Mark Zuckerberg gestures as he addresses students at the Moscow State University in Moscow October 2, 2012. REUTERS/Maxim Shemetov