Streit um Millionen-Vergütung für Lehman-Verwalter

Donnerstag, 22. November 2012, 19:05 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Zusammenbruch der Deutschland-Tochter von Lehman Brothers wird deren Insolvenzverwalter das höchste je in Deutschland gezahlte Honorar für die Abwicklung eines Unternehmens bescheren.

"Bei vernünftiger Betrachtung wird das Honorar deshalb zwischen 300 und 800 Millionen Euro liegen", sagte der Chef der Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle, Hubertus Kolster, der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. CMS-Anwalt Michael Frege ist als Insolvenzverwalter der Lehman Brothers Bankhaus AG seit 2008 mit 70 weiteren Anwälten und 30 Insolvenz-Spezialisten mit der Milliardenpleite beschäftigt. 70 Millionen Euro Vorschuss hat der Verwalter vom Amtsgericht in Frankfurt bereits erhalten.

Das bisherige Rekord-Honorar von mehr als 30 Millionen Euro für Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg für die Abwicklung des Essener Handelskonzerns Arcandor hatte vor zwei Jahren Schlagzeilen gemacht. Die Vergütung richtet sich unter anderem nach der Insolvenzmasse, die bei Lehman Brothers Deutschland bei rund 15 Milliarden Euro liegt, und nach dem Aufwand, den das Verfahren macht. Rund 5,5 Milliarden Euro dürfte aufgrund eines Sicherungsrechts allein die Bundesbank bekommen, wie Kolster sagte. Einer der größten Gläubiger ist auch der Insolvenzverwalter der US-Muttergesellschaft Lehman Brothers.

Um den Rest buhlen unter anderem Hedgefonds. Dabei können die Gläubiger damit rechnen, dass sie bis zu vier Fünftel ihrer begründeten Forderungen zurückbekommen. "Wir können sehr sicher sein, dass wir auf eine Insolvenzquote von 60 Prozent plus x kommen werden. Ein Rahmen von 80 Prozent scheint im Bereich des Möglichen", sagte der CMS-Chef. Für die Forderungen gegen das insolvente Lehman Brothers Bankhaus gebe es einen regelrechten Markt, Banken hätten ihre Forderungen mit hohen Abschlägen an spekulative Investoren verkauft. "Der Kauf von Forderungen an den Insolvenzverwalter hat sich für die Hedgefonds schon jetzt ausgezahlt", betonte Kolster.

Dennoch regt sich dort nun Widerstand gegen das Honorar für Frege, der seit diesem Jahr auch den Versandhändler Neckermann abwickelt. "Die Gläubiger werden sich gegen die Forderung zur Wehr setzen", sagte ein Vertreter der Hedgefonds, der nicht genannt werden wollte. "Frege sollte keine Erfolgsprämie bezahlt bekommen, zumal er auch einige schlechte Entscheidungen gefällt hat, indem er Vermögenswerte unter dem Marktwert verkauft hat." Mehr als 250 Millionen Euro seien ihm nicht zuzubilligen.

Freges Kanzlei-Chef Kolster macht eine andere Rechnung auf. Für die bisher geleisteten Arbeitsstunden allein könnte CMS eine Rechnung von 215 Millionen Euro stellen, und dabei werde sich das Insolvenzverfahren rund zwei bis drei Jahre hinziehen - wenn die Gläubiger am 29. November dem Insolvenzplan zustimmen, sonst deutlich länger. "Dem großen Aufwand steht auch ein großer finanzieller Erfolg gegenüber", betonte Kolster. Diskussionen mit den Hedgefonds lehne der Verwalter ab: "Wir sind rechtlich gar nicht in der Lage, Vereinbarungen mit den Gläubigern zu treffen, das Honorar wird vom Gericht festgelegt."

Nach einem von CMS in Auftrag gegebenen Gutachten stünden dem Verwalter bis zu 800 Millionen Euro zu. "Aber wir wollen keine Maximalposition durchsetzen, sondern mit Augenmaß und Vernunft an die Sache herangehen", sagte Kolster. Die Gläubiger haben ein Gegengutachten vorgelegt, das "nur" auf 200 Millionen Euro kommt.