Spekulation über weiteres Modell bei EADS-Aktienverkauf

Freitag, 23. November 2012, 17:53 Uhr
 

Berlin (Reuters) - In den Verhandlungen über Änderungen im Aktionärskreis des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS wird anscheinend ein weiteres Modell diskutiert.

Einem Bericht des "Handelsblatt" vom Freitag zufolge ist inzwischen auch im Gespräch, dass Deutschland Frankreich Anteile abkaufen könnte. Das Wirtschaftsministerium in Berlin bezeichnete den Bericht als Spekulation, dementierte ihn damit aber auch nicht ausdrücklich. Derzeit seien viele Optionen im Gespräch, ohne dass es aber schon feste Vereinbarungen gebe, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus verhandlungsnahen Kreisen. Das "Handelsblatt" berichtete hingegen unter Berufung auf deutsche Regierungskreise von einer Einigung zwischen Deutschland und Frankreich auf einen direkten Anteilskauf der Deutschen vom französischen Staat.

"Derzeit wird auf Fachebene über viele Modelle gesprochen", sagte eine Person, die mit den Verhandlungen vertraut ist, zu Reuters. Ob und welche davon letztlich zum Zuge kommen, sei aber noch nicht ausgemacht. Auslöser für die Diskussionen ist der EADS-Großaktionär Daimler seit geraumer Zeit die Hälfte seines EADS-Pakets von 15 Prozent verkaufen will und mit der Bundesregierung über deren Ankauf durch die Staatsbank KfW verhandelt. Auch der Großteil einer vorwiegend deutschen Investorengruppe namens Dedalus will ihren 7,5-Prozent-Anteil verkaufen. Früheren Regierungsangaben zufolge könnte auch dieses Paket zumindest zum Teil bei der KfW landen.

In die Diskussion gebracht wurde nach Angaben aus Verhandlungskreisen vor kurzem bereits das Modell, nach dem der deutsche und der französische Staat künftig jeweils zwölf Prozent an EADS halten sollen. Damit müsste der französische Staat ein Aktienpaket von drei Prozent verkaufen. Dieses soll dem Zeitungsbericht zufolge nun von der KfW erworben werden. Würde die Staatsbank zudem die Beteiligung der Dedalus-Gruppe kaufen, blieben nur noch 1,5 Prozent, die sie dem Großaktionär Daimler abkaufen könnte. Der könnte wiederum den übrigen Teil des Pakets, von dem er sich trennen will, über den freien Markt veräußern - was ihm womöglich mehr bringen könnte. Das drückte am Freitag auf den Aktienkurs von EADS. Die Papiere gaben in Frankfurt 1,8 Prozent nach. "Daimler müsste dann Aktien über den Markt verkaufen. Das drückt den Kurs, weil das ein größeres Paket wäre", sagte ein Händler.

Das deutsche Wirtschaftsministerium hielt sich in seiner Stellungnahme zu diesem Bericht zurück. "Der Anteilserwerb durch die Bundesregierung ist vom Parlament beschlossen", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Dazu liefen intensive Gespräche mit Partnern. "An darüber hinaus gehenden Spekulationen beteiligt sich die Bundesregierung nicht", ergänzte er.

 
Visitors talk near the welcome desk of the EADS booth at the ILA Berlin Air Show in Selchow near Schoenefeld south of Berlin on September 13, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY ENTERTAINMENT - Tags: TRANSPORT BUSINESS)