VW investiert trotz Schuldenkrise mehr denn je

Freitag, 23. November 2012, 15:02 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Volkswagen erhöht das Investitionstempo: Der Wolfsburger Autobauer will in den nächsten drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Werke, die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit verbrauchsärmeren Antrieben und die alternative Energieerzeugung der Fabriken stecken.

"Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. Die Niedersachsen wollen bis 2018 an Toyota und der Opel-Mutter General Motors vorbeiziehen und den Thron der weltweiten Automobilindustrie erklimmen.

"Gerade in Zeiten der Schwäche der Konkurrenz kann Volkswagen mit einem enormen Investitionsprogramm der Konkurrenz die Rücklichter zeigen und die Basis für zukünftige Marktanteilsgewinne legen", sagte Analyst Frank Schwope von der NordLB.

Finanziell kann Europas größter Autobauer die Investitionen locker stemmen: VW verfügt trotz der Übernahmen des Porsche-Sportwagengeschäfts und der Motorradmarke Ducati noch immer über ein komfortables Finanzpolster von 9,2 Milliarden Euro. Weitere rund 4,5 Milliarden Euro hatten sich die Wolfsburger jüngst durch zwei Anleihe beschafft. Erstmals umfasst die Planung auch die Marken MAN und Porsche.

Analysten erwarten, dass VW in den nächsten drei Jahren mehr in Sachinvestitionen stecken wird als Toyota und GM zusammen. Dabei erhöhen die Wolfsburger die Schlagzahl bei den Gesamtinvestitionen deutlich: Waren in der bisherigen Planung einschließlich Entwicklungskosten jährlich 12,5 Milliarden vorgesehen, so klettert diese Summe nun auf 16,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Von den bis 2015 geplanten Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro will VW mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben. "Wir schaffen so die Voraussetzungen, dass unsere 27 Werke bei Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich weiter ganz vorne mitspielen", sagte Winterkorn. "Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutschland", fügte der VW-Chef mit einem Seitenhieb auf Opel hinzu, der über Werksschließungen diskutiert. Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte die Entscheidung als "klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigen Umfelds in der Automobilindustrie".

KNAPP 25 MILLIARDEN EURO FÜR NEUE AUTOMODELLE

Der neuen Planung zufolge will VW von 2013 bis 2015 allein 24,7 Milliarden Euro in neue Automobile und Varianten investieren. Dazu gehöre auch eine neue Lkw-Generation von MAN. Bei Pkw sollen die Kosten durch die neue Baukasten-Technologie um mehr als 20 Prozent sinken. 14,5 Milliarden Euro fließen in den Ausbau der Werke - als Projekte hob der Konzern die neue Audi-Fabrik in Mexiko und die Erweiterung des Porsche-Werks in Leipzig sowie den Ausbau der Produktion von Automatikgetrieben hervor.

Die Investitionen enthalten auch Ausgaben für Windparks, Solaranlagen und Wasserkraftwerke, um die Fabriken mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Weitere 9,8 Milliarden Euro sollen in die Gemeinschaftsunternehmen in China gesteckt werden. VW zieht derzeit drei Werk in der Volksrepublik hoch, um die erwartete Nachfrage bedienen zu können. Ein Viertes ist in Planung.   Fortsetzung...

 
Logo of German carmaker Volkswagen, is pictured at the IAA truck show in Hanover, September 18, 2012. Picture taken September 18. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS LOGO)