Kreise: E.ON besiegelt im Dezember Türkei-Einstieg

Freitag, 23. November 2012, 18:21 Uhr
 

Istanbul (Reuters) - E.ON-Chef Johannes Teyssen macht Kreisen zufolge Ernst mit seinen Plänen für einen Einstieg in den rasch wachsenden türkischen Energiemarkt: Der Düsseldorfer Energieriese wolle bereits in gut einer Woche einen entsprechenden Vertrag besiegeln, sagte mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der österreichische Versorger Verbund soll Teyssen dabei die Tür in die Türkei aufstoßen: Verbund wolle seine Beteiligung von 50 Prozent den dem Versorger Enerjisa an E.ON abtreten. Die Übereinkunft solle am 3. Dezember unterschrieben werden. E.ON wolle im Gegenzug Wasserkraftwerke in Deutschland und Österreich an Verbund abgeben. Das Volumen der Transaktion soll laut Insidern bei über eine Milliarde Dollar liegen. E.ON und die türkische Sabanci-Holding, die die übrigen Anteile an Enerjisa hält, wollten sich nicht äußern. Verbund bestätigte Gespräche über einen Ausstieg aus dem Türkei-Geschäft mit einem "der größten Wasserkrafterzeuger Europas" ohne weitere Details zu nennen.

E.ON hatte die Türkei bereits als interessanten Markt bezeichnet, den der Konzern genau beobachte. Insider hatten zudem von Verhandlungen um Enerjisa berichtet. Das Unternehmen war 1996 von Sabanci gegründet worden, Verbund war 2007 eingestiegen. Die Österreicher halten die Hälfte der Anteile und wollen sie den Kreisen zufolge an E.ON weiterreichen. Enerjisa strebt bis 2015 einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent am türkischen Strommarkt an. Das Unternehmen betreibt mehrere Gas- und Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1650 Megawatt.

Für die Österreicher passt der Deal gut zu der Strategie sich auf das Kerngeschäft mit Wasserkraftwerken in Österreich und Deutschland zu konzentrieren.

Teyssen prüft bereits seit längerer Zeit eine Expansion in die Türkei. Er will E.ON unabhängiger vom deutschen Heimatmarkt machen. Der Energiehunger in der Türkei ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Düsseldorfer hatten dort bereits vor einigen Jahren Projekte, diese aber an den Konkurrenten RWE verkauft und stattdessen den russischen Strommarkt ins Visier genommen. Anfang des Jahres hatte Teyssen den Einstieg in den brasilianischen Markt angekündigt. E.ON hat sich dazu an dem Versorger MPX des deutschstämmigen Milliardärs Eike Batista beteiligt.

Mit der milliardenschweren Ausweitung seiner Geschäfte ins Ausland hatte E.ON indes nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Wegen der schwächelnden Nachfrage in Teilen Europas hatte Teyssen jüngst seine Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre gekippt und die E.ON-Aktie auf Tiefststände geschickt. "In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung", beklagte E.ON. Der Konzern ist auch in Italien und Spanien vertreten, deren Regierungen mit harten Sparmaßnahmen die nationalen Haushalte sanieren. Die türkische Wirtschaft wies dagegen mit einem Wachstum von 8,5 Prozent im Jahr 2011 das höchste Plus in Europa aus. E.ON-Aktien notierten am Nachmittag in einem freundlichen Umfeld mit einem Minus von knapp einem Prozent bei einem Jahrestief von 13,80 Euro.

 
REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS)