Neuer Deka-Chef rückt Landesbanken auf die Pelle

Dienstag, 27. November 2012, 19:24 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der neue Deka-Chef Michael Rüdiger will den Sparkassen-Fondsanbieter mit einer Produktoffensive auf Vordermann bringen und macht den Landesbanken damit immer mehr Konkurrenz.

Der ehemalige Credit-Suisse-Banker, der seit Anfang November im Amt ist, will unter anderem das Angebot für institutionelle Kunden wie Stiftungen, Kirchen und Pensionsfonds ausbauen - und verstärkt um superreiche Kunden buhlen. "Sie haben bei den Sparkassen ein gutes Potenzial an vermögenden Privatkunden."

Rüdiger will die Deka mit dem "Transformationsprogramm Wertpapierhaus" enger an die Sparkassen binden, die seit 2011 alleiniger Eigentümer des Frankfurter Instituts sind. Zuvor hatten die Landesbanken 50 Prozent an der Deka gehalten und damit verhindert, dass ihnen das Institut im Geschäft mit institutionellen Kunden zu stark in die Quere kommt. "Bisher waren wir hier limitiert, jetzt haben wir mehr Freiheit", sagte Rüdiger. Er will bei der Deka künftig verstärkt auf alternative Investments setzen, beispielsweise in Infrastrukturprojekte. Entsprechende Produkte sollen zunächst institutionellen und später möglicherweise auch Privatkunden angeboten werden.

Mit dem Ausbau des Angebots für wohlhabende Kunden, mit denen sich Rüdiger seit seiner Zeit bei Credit Suisse bestens auskennt, wird das Institut vor allem der Weberbank und der Helaba-Tochter Frankfurter Bankgesellschaft Konkurrenz machen. Die Deka will 2013 zudem ins Zertifikate-Geschäft für Kleinanleger einsteigen, wo sie unter anderem mit der Helaba und der LBBW um Kunden kämpfen wird. Wahrscheinlich ist, dass die Deka dazu das Fonds- und Zertifikate-Geschäft der Landesbank Berlin(LBB) übernehmen wird, die ebenfalls den Sparkassen gehört. Eine Entscheidung über mögliche Zusammenlegungen solle bis Jahresende fallen, sagte Rüdiger.

KOSTEN SENKEN, PARTNER SUCHEN

Rüdigers wichtigste Aufgabe bei der Deka ist es, das Abschneiden der Fonds zu verbessern und den Mittelabfluss zu stoppen. Besserung ist hier bereits in Sicht. Aus den Deka-Wertpapierfonds zogen Anleger im dritten Quartal nur noch 357 Millionen Euro ab nach 3,2 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte. Besonders institutionelle Investoren griffen wieder verstärkt zu, während Privatanleger wegen der Euro-Schuldenkrise weiter einen großen Bogen um Fondsprodukte machen. "Der normale Kunde ist extrem verunsichert", sagte Deka-Vize-Chef Oliver Behrens. "Die Kunden interessieren sich derzeit für drei Dinge: Goldmünzen, Immobilien und Konsum."

Rüdiger will nun den Vertrieb und die IT auf Vordermann bringen und die Kosten drücken. "Es geht nicht nur um das Reduzieren von Kosten, sondern auch darum, aus Fixkosten variable Kosten zu machen", sagte er. Ein Stellenabbau sei nicht geplant. Denkbar sei jedoch, bestimmte Tätigkeiten auszulagern oder mit Partnern zusammenzuarbeiten. Die Kooperation mit Allianz Global Investors, mit der die Deka seit knapp vier Jahren das Gemeinschaftsunternehmen Dealis für die Fondsbuchhaltung betreibt, laufe gut und zeige, dass solche Allianzen in der Branche Sinn machen können.

In den ersten neun Monaten des Jahres profitiert die Deka vom gestiegenen Marktwert von Fondsprodukten in der eigenen Bilanz, der hohen Nachfrage nach Immobilienfonds sowie dem auskömmlichen Kreditgeschäft. Zudem verdiente die Deka gut daran, dass sie gegen Sicherheiten Liquidität an andere Banken verleiht. Das wirtschaftliche Ergebnis der Bank - der Vorsteuergewinn sowie das Bewertungsergebnis von Finanzinstrumenten - stieg um gut 30 Prozent auf 445 Millionen Euro. 2012 werde der Gewinn deshalb "spürbar" über dem Vorjahresergebnis von 383 Millionen Euro liegen.