Merck weist Spekulationen um Verkauf von Nasivin-Sparte zurück

Dienstag, 27. November 2012, 17:09 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Merck hat Spekulationen um einen Verkauf seines Geschäfts mit Vitaminen und rezeptfreien Gesundheitsprodukten eine Absage erteilt.

"Consumer Health steht nicht zum Verkauf, stattdessen sind wir derzeit dabei, die Sparte in ihrer Profitabilität zu verbessern. Darüber herrscht Einigkeit in allen Gremien von Merck", erklärte ein Sprecher des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns auf Anfrage von Reuters. Die Preise für solche Geschäfte waren zuletzt im Zuge der jüngsten Übernahmevorhaben in der Branche angezogen. Daraufhin waren in der Finanzwelt Spekulationen neu entflammt, Merck könne sich womöglich doch zu einem Verkauf des Geschäfts entschließen.

Das Consumer-Health-Care-Geschäft ist eine von vier Konzernsparten von Merck. Ihre bekanntsten Marken sind Cebion-Vitaminpräparate und das Schnupfenspray Nasivin. Im vergangenen Jahr kam sie auf einen Umsatz von 496 Millionen Euro und auf ein operatives Ergebnis von 46 Millionen Euro. Im Vergleich zu internationalen Rivalen wie Johnson & Johnson oder Bayer ist sie damit allerdings eher klein. Bayer setzte 2011 mit Gesundheitsprodukten und rezeptfreien Produkten - darunter Aspirin und das Magenmittel Rennie - 3,5 Milliarden Euro um. Weltweit wurden laut den Marktforscher von Nicholas Hall über 80 Milliarden Euro Umsatz mit solchen Mitteln erzielt.

KREISE: MERCK-FAMILIE WILL GESCHÄFT BEHALTEN

Merck-Chef Karl-Ludwig Kley hatte im Januar 2011 einmal in einem Interview mit der britischen Zeitung "Financial Times" mit einem Verkauf der Nasivin-Sparte geliebäugelt. Wenige Wochen später ruderte er allerdings zurück. Nach Aussage einer Person aus dem Umfeld eines möglichen Käufers, hatte Merck im Jahr 2010 vorsichtig ausgelotet, wie groß das Interesse für das Geschäft bei einem Preis von etwa dem dreifachen Jahresumsatz des Bereichs wäre. Das wären immerhin Verkaufserlöse von rund 1,5 Milliarden Euro. Insider, die mit Merck vertraut sind, nennen als einen Grund für das Festhalten an dem Geschäft, dass es als einziges den Markennamen Merck direkt zum Verbraucher trage. Der Konzern setzt zudem erklärtermaßen auf mehrere Standbeine, um Schwankungen in der Entwicklung eines Unternehmensbereichs durch die Geschäfte in anderen abfedern zu können. Größere Zukäufe plant Merck in seiner Nasivin-Sparte derzeit nicht. Das Geschäft steckt in einem Umbauprozess, auch Werksschließungen und die Trennung von unrentablen Produkten gehören dazu.

Aktuell würde sich Insidern zufolge so manches Unternehmen den Verbraucherprodukte-Bereich einmal genauer anschauen. "An Interesse an dem Geschäft mangelt es nicht und das Management weiß das", sagte ein Banker. Einem zweiten Insider aus der Finanzwelt zufolge könnte sich Merck nach Abschluss des Sparprogramms nochmals dem Thema zuwenden und vielleicht eine andere Entscheidung fällen. Aktuell sind Konzerne bereit, mehr als das Dreifache des Umsatzes für vergleichbare Geschäfte zu zahlen. Das zeigt das Ringen zwischen Bayer und dem britischen Konsumgüter-Konzern Reckitt Benckiser um den US-Vitaminhersteller Schiff. Die Briten hatten Bayer mit Offerte im Volumen von 1,4 Milliarden Dollar übertrumpft. Schiff peilt im Geschäftsjahr 2012/13 (Ende Mai) Umsätze von 385 Millionen Dollar an - Somit ist Schiff den Briten das 3,6-fache des Jahresumsatzes wert.