EXKLUSIV: Vivendis Telekom-Sparte GVT heiß begehrt

Donnerstag, 29. November 2012, 17:11 Uhr
 

Sao Paulo/London (Reuters) - Der Medienkonzern Vivendi hat Insidern zufolge vier Angebote von jeweils mehr als sechs Milliarden Euro für seine brasilianische Telekom-Tochter GVT erhalten.

Unter den Interessenten seien der mexikanische Telekom-Konzern America Movil, die Satelliten-Firma DirecTV und eine Gruppe von Investmentfonds, wie Reuters exklusiv von zwei Insidern erfuhr. Ein weiterer Eingeweihter erklärte, auch Liberty Global - der Kabel-Konzern des umtriebigen US-Milliardärs John Malone - habe ein Gebot abgegeben.

Die Offerten aus der ersten Runde sind noch unverbindlich. Vivendi hofft den Insidern zufolge auf einen Erlös von sieben Milliarden Euro. Analysten sind aber skeptisch, ob so viel Geld gezahlt wird. Mit der Transaktion will der französische Konzern seine Schulden verringern und dem Aktienkurs auf die Sprünge helfen. Die endgültigen Offerten für GVT werden Anfang Januar erwartet.

Alle beteiligten Unternehmen lehnten eine Stellungnahme oder waren für nicht erreichbar.

Vivendi hatte sich GVT 2009 für 2,9 Milliarden Dollar gesichert und dabei die spanischen Telefonica überboten. GVT bietet Telefon-, Internet- und TV-Services in 120 brasilianischen Städten an. Zuletzt wurde viel Geld in den Ausbau des ultraschnellen Glasfaser-Internets investiert. GVT war zwar ein Wachstumstreiber für Vivendi, mit den hohen Kosten für die Expansion sind die Franzosen aber nicht glücklich.

Neben Brasilien will sich Vivendi auch in Marokko zurückzuziehen, um sich stärker auf das Medien-Kerngeschäft zu konzentrieren. Dort stehen 53 Prozent an Maroc Telecom zum Verkauf. Mehrere afrikanische Rivalen haben nach früheren Angaben von Insidern Interesse signalisiert. Hier hofft Vivendi auf mindestens 5,5 Milliarden Euro. Ursprünglich hatten die Franzosen auch versucht, den Computerspiel-Hersteller Activision Blizzard zu verkaufen. Sie erhielten jedoch keine zufriedenstellenden Angebote.

- von Guillermo Parra-Bernal und Sophie Sassard

 
REUTERS/Mal Langsdon (FRANCE - Tags: BUSINESS)