RHI sieht ab Frühjahr Aufschwung in der Stahlindustrie

Freitag, 30. November 2012, 16:04 Uhr
 

Wien (Reuters) - Der österreichische Feuerfestkonzern RHI erwartet ab Frühjahr eine Belebung der zuletzt mauen Geschäfte in der Stahlindustrie.

"Wir rechnen damit, dass der Abschwung auf jeden Fall bis in das zweite Quartal dauern wird, aber ich gehe davon aus, dass wir danach eine langfristige Verbesserung sehen werden", sagte RHI-Chef Franz Struzl am Freitag. Für 2013 bekräftigte er einen stabilen Umsatz und eine weitere Verbesserung der operativen Marge.

Der Konzern, der Stahl- und Zementhersteller mit feuerfesten Schmelzwannen und Gießpfannen beliefert, hat laut Struzl ab Ende des dritten Quartals den Abschwung in der Stahlbranche zu spüren bekommen. Der Nachfrageeinbruch setzte sich im vierten Quartal fort und auch das Auftaktquartal 2013 wird nach Einschätzung des RHI-Chefs vom Abschwung betroffen sein.

"Die Probleme in der Stahlindustrie haben nicht vor uns Halt gemacht", räumte der RHI-Chef ein. "Aber damit nicht der Eindruck entsteht es geht uns schlecht: Auch im laufenden Quartal werden wir eine sehr gute Ebit-Marge haben und im Gesamtjahr wird sie in der Gegend von 9,5 Prozent liegen", wurde Struzl erstmals konkret. Im Vorjahr lag die operative Marge bei 8,6 Prozent. Für 2012 bekräftigte Struzl, der die RHI seit einem Jahr leitet, eine Umsatz- und Gewinnsteigerung. 2011 wurde bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro ein operativer Gewinn von 150,9 Millionen Euro erzielt.

STRUZL: "RHI SCHLÄGT SICH BESSER ALS DIE KONKURRENZ"

Das dritte Quartal brachte der RHI einen kräftigen Schub. Die Ebit-Marge kletterte auf 12,3 Prozent von 9,1 Prozent. "Wir waren erstmalig um ein Hauseck besser als Magnesita", betonte Struzl. Die brasilianische Magnesita, der wichtigste RHI-Konkurrent, hat laut Struzl im dritten Quartal eine Marge von 9,3 Prozent erzielt. Mittelfristig will der RHI-Chef die Renditen deutlich anfeuern. Bis 2020 soll die Ebit-Marge bei einem Umsatz von drei Milliarden Euro auf über zwölf Prozent klettern. Im Einklang damit soll die Dividendenausschüttungsquote mittelfrisitg von zuletzt 25 Prozent erhöht werden. Rein mit organischem Wachstum seien die Ziele nicht realisierbar, räumte Struzl ein. "Wir wissen, was wir uns zutrauen können, der Rest muss über Akquisitionen kommen". Zur Finanzierung künftiger Zukäufe schloss Struzl eine Kapitalerhöhung nicht aus. "Derzeit brauchen wir sie aber nicht; macht auch keinen Sinn bei dem derzeitigen Kurs", sagte er.

PLÄNE FÜR BRASILIEN-WERK LIEGEN AUF EIS

Die Pläne zum Bau eines Werks in Brasilien liegen laut Struzl derzeit auf Eis. Hintergrund dafür sind die deutlich gestiegenen Zölle für Importe aus anderen Kontinenten. "Ich gehe nicht davon aus, dass die Zölle in den nächsten zehn Jahren wegkommen, daher untersuchen wir derzeit verschiedene Möglichkeiten, um über Partner Zugang zu Rohstoffen zu bekommen", sagte Struzl. Attraktiver als Brasilien sei ein Engagement in den USA. "Ich rechne damit, dass wir in den nächsten drei Jahren dort produzieren werden." Viele große Unternehmen drängen Struzl zufolge nun auf den amerikanischen Markt und RHI will seinen Kunden folgen. Eine Entscheidung zu den USA-Plänen soll bis Ende 2013 fallen.