Arcelor-Stahlwerk in Florange vorerst gerettet

Sonntag, 2. Dezember 2012, 12:55 Uhr
 

Paris (Reuters) - Das ArcelorMittal-Stahlwerk im lothringischen Florange bleibt vorerst erhalten.

Der weltgrößte Stahl-Hersteller bestätigte am Samstag eine Einigung mit der französischen Regierung, die sich davon den Erhalt der 600 Arbeitsplätze verspricht. Danach investiert der Konzern des Inders Lakshmi Mittal in den kommenden fünf Jahren 180 Millionen Euro in die Hütte, die ursprünglich am Samstag geschlossen werden sollte, und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen. Die sozialistische Regierung in Paris ließ zur Verärgerung der Gewerkschaften die zunächst geplante Verstaatlichung der Anlage fallen, die wegen der schwachen Stahlkonjunktur nicht ausgelastet ist.

ArcelorMittal erklärte, mit den Gewerkschaften über einen freiwilligen Personalabbau zu verhandeln. Die Beschäftigten äußerten ihre Verärgerung darüber, dass das Werk trotz der vereinbarten Modernisierungsinvestitionen geschlossen bleiben soll. Sie zweifelten zudem die Zusage des Unternehmens an, über Ersatzarbeitsplätze und Frühpensionierungen zu verhandeln. "Wir sind auf dem Kriegspfad", sagte der für Florange zuständige Funktionär der Gewerkschaft CFDT, Edouard Martin, dem Fernsehsender iTele. Mittal habe in der Vergangenheit Versprechen nicht eingehalten, "deshalb geht nichts ohne Kampf".

Der Konzern wies die Vorwürfe Martins zurück. Das Unternehmen beschäftigt in Frankreich 20.000 Menschen an mehreren Standorten.

Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault verteidigte die in letzter Minute erzielte Einigung und kündigte einen wachsamen Blick auf deren Umsetzung an. Wenn ArcelorMittal die Zusagen nicht einhalte, werde Regierung mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorgehen.

Der Streit über den Erhalt des Stahlwerks in Florange ist zum Sinnbild von Präsident Francois Hollandes Kampf gegen eine Entlassungswelle in der französischen Wirtschaft geworden. Hollande steht wegen der hohen Arbeitslosigkeit unter Druck. Im Wahlkampf hatte er die Anlage besucht, die in der an Deutschland grenzenden, traditionell von der Stahlindustrie geprägten Region Lothringen liegt.

 
Employees of Arcelor Mittal take part in the blocking of a company's unit in Florange, Eastern France, February 23, 2012. REUTERS/Vincent Kessler