Arcelor-Stahlwerk in Florange vorerst gerettet

Montag, 3. Dezember 2012, 07:30 Uhr
 

Paris (Reuters) - Das ArcelorMittal-Stahlwerk im lothringischen Florange bleibt vorerst erhalten.

Der weltgrößte Stahl-Hersteller bestätigte am Wochenende eine Einigung mit der französischen Regierung, die sich davon die Sicherung der rund 600 Arbeitsplätze verspricht. Danach investiert der Konzern des Inders Lakshmi Mittal in den kommenden fünf Jahren 180 Millionen Euro in die Hütte, die ursprünglich am Samstag endgültig geschlossen werden sollte, und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen. Die Zukunft des Werks ist aber ungewiss, da es zunächst nicht wiedereröffnet wird. Zudem kündigte der Konzern an, mit den Gewerkschaften über einen freiwilligen Personalabbau zu verhandeln.

Der Streit über Florange ist zum Sinnbild von Präsident Francois Hollandes Kampf gegen eine Entlassungswelle in der französischen Wirtschaft geworden. Hollande steht wegen der hohen Arbeitslosigkeit unter Druck. Im Wahlkampf hatte er die Anlage besucht.

INDUSTRIEMINISTER UNTER DRUCK

Die erst seit dem Frühjahr amtierende sozialistische Regierung sitzt mittlerweile zwischen allen Stühlen, weil sie sowohl den Konzernchef Mittal als auch die Gewerkschaften gegen sich aufbrachte. Im Mittelpunkt der Kritik steht Industrieminister Arnaud Montebourg, der Mittal zur unerwünschten Person erklärt, zeitweilig mit der Verstaatlichung der Hütte gedroht hatte und in beiden Fällen zurückrudern musste. In die Schar der Kritiker reihte sich auch der Londoner Bürgermeister Boris Johnson ein, der in Neu-Delhi lästerte, die als "Sans Culottes" (Hosenlose) bekannten Revolutionäre von 1789 hätten in Paris die Macht übernommen. Die Inder sollten ihre Rupien besser in Großbritannien investieren.

Die Gewerkschaften sind verärgert, weil die wegen der schwachen Stahlkonjunktur nicht ausgelastete Anlage nun doch in privater Hand bleiben soll. Sie zweifelten zudem die Zusage des Unternehmens an, über Ersatzarbeitsplätze und Frühpensionierungen zu verhandeln. "Wir sind auf dem Kriegspfad", sagte der für Florange zuständige Funktionär der Gewerkschaft CFDT, Edouard Martin, dem Fernsehsender iTele. Mittal habe in der Vergangenheit Versprechen nicht eingehalten, "deshalb geht nichts ohne Kampf". Der Konzern wies die Vorwürfe Martins zurück. Das Unternehmen beschäftigt in Frankreich 20.000 Menschen an mehreren Standorten.

Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault verteidigte die in letzter Minute erzielte Einigung und kündigte einen wachsamen Blick auf deren Umsetzung an. Wenn ArcelorMittal die Zusagen nicht einhalte, werde Regierung mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorgehen.

 
Employees of Arcelor Mittal take part in the blocking of a company's unit in Florange, Eastern France, February 23, 2012. REUTERS/Vincent Kessler