Kreise - RWE vor Ausstieg aus Nabucco-Pipeline

Sonntag, 2. Dezember 2012, 15:59 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern RWE zieht sich Branchenkreisen zufolge wohl schon bald aus dem länderübergreifenden Gaspipelineprojekt Nabucco zurück.

Den Anteil von 16,6 Prozent könne der bereits beteiligte österreichische Ölkonzern OMV übernehmen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Durch die von der EU unterstützte Röhre soll Gas von Aserbaidschan nach Europa fließen. Nabucco soll Europa unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland mit seinem mächtigen Gazprom-Konzern machen. RWE wie auch OMV lehnten eine Stellungnahme dazu ab.

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete, der Verkauf der RWE-Anteile an OMV könne noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Zu Nabucco gehören neben den beiden Konzernen noch die ungarische MOL, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz. Das Projekt hatte immer wieder Rückschläge erlitten. Der Zeitplan für den milliardenschweren Bau der Röhre hatte sich verzögert. Eine Investitionsentscheidung haben die Partner bis heute nicht getroffen. Auch ein Liefervertrag kam nicht zustande. Zuletzt peilten die Nabucco-Partner noch eine verkürzte Leitung, die "Nabucco West", an.

Ein Ausstieg von RWE wäre keine große Überraschung, hatte sich das Engagement des Konzerns für die Pipeline doch zuletzt deutlich abgekühlt. "Angesichts veränderter Bedingungen durch die Planung neuer Pipeline-Projekte prüfen wir derzeit, ob unsere kommerziellen und strategischen Anforderungen an Nabucco weiter gewahrt werden", hatte der Versorger bereits vor Monaten erklärt. Zuvor hatte der ungarische Öl- und Gaskonzern MOL unter Verweis auf die hohen Kosten mit dem Ausstieg aus dem Milliardenprojekt gedroht.

RWE ist wegen der Atomwende und des ohnehin schwächelnden Gasgeschäfts unter Druck. Der seit Juli amtierende RWE-Chef Peter Terium hat angekündigt, die Investitionen zu kürzen und eine Reihe von Beteiligungen zu verkaufen. Betroffen ist auch das Gasgeschäft. So will RWE seine tschechische Transporttochter Net4Gas abstoßen. Insgesamt will Terium bis Ende 2013 Beteiligungen im Volumen von bis zu sieben Milliarden Euro veräußern.

 
Germany's national flag flutters over the Niederaussem coal power plant of RWE Power, one of Europe's biggest electricity and gas companies in Rheidt north-west of Cologne October 11, 2012. REUTERS/Wolfgang Rattay