Aktionäre fordern von Thyssen bessere Kontrolle von Geschäften

Montag, 3. Dezember 2012, 16:05 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die sich häufenden Unregelmäßigkeiten beim größten deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp rufen die Aktionäre auf den Plan.

"Man kann den Verdacht haben, dass die internen Kontrollsysteme nicht funktionieren", sagte der Geschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. "Entweder wird das geduldet oder die Kontrolle funktioniert nicht." Hier sei auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gefragt. Dieser müsse dem Vorstand die richtigen Instrumente in die Hand geben. "Cromme muss verstärkt in diese Bereiche hineinschauen."

Hechtfischer bezog sich unter anderem auf die jahrelange Beteiligung von ThyssenKrupp an illegalen Preisabsprachen von Schienenherstellern. Dem Konzern drohen dadurch nach einer Kartellstrafe Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe der Deutschen Bahn und kommunaler Verkehrsbetriebe, die sich durch das Kartell geschädigt sehen. "Das Thema Preisabsprachen ist bei ThyssenKrupp nichts Neues", sagte der Aktionärsschützer. Schließlich habe die Aufzugssparte erst vor wenigen Jahren eine Kartellstrafe wegen verbotener Preisabsprachen zahlen müssen.

Der Mischkonzern mit weltweit rund 170.000 Mitarbeitern sorgt derzeit fast täglich für Negativschlagzeilen. Am Wochenende hatte der wegen Luxusreisen in die Kritik geratene Vorstand Jürgen Claassen den Aufsichtrat gebeten, bis auf weiteres von seinem Aufgaben entbunden zu werden. Die Staatsanwaltschaft Essen hat Ermittlungen gegen Claassen eingeleitet. "Dabei geht es um den Verdacht der Untreue", erklärten die Ermittler. In einem weiteren Fall hat ThyssenKrupp die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Mitarbeiter der Tochter GfT Bautechnik sollen in Osteuropa unsauber gearbeitet haben. Auch dabei geht es um den Verdacht der Untreue sowie auch um mögliche Bestechung und Bestechlichkeit.

Aktionärschützer Hechtfischer forderte ThyssenKrupp auf, in allen Fällen für Aufklärung zu sorgen - auch ob Vorstände und Aufsichtsräte ihren Pflichten nachgekommen seien. Sollte bis zur Hauptversammlung im Januar nicht Klarheit herrschen, werde der Verband beantragen, eine Entlastung der betroffenen Manager zu vertagen. Dies hätte zwar keine unmittelbaren Folgen, wäre aber von symbolischer Bedeutung. "Wir sind für alle Möglichkeiten gewappnet", sagte Hechtfischer.

ThyssenKrupp wollte sich zu den Äußerungen der DSW nicht äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am 11. Dezember. Am Tag zuvor kommt der Aufsichtsrat zu seiner nächsten Sitzung zusammen.