Deutsche Bank wehrt sich gegen Bilanztrickser-Vorwürfe

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 13:33 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bank muss sich in den USA gegen Vorwürfe der Bilanztrickserei verteidigen.

Ehemalige Mitarbeiter des größten deutschen Geldhauses beschuldigen das Institut, in den ersten Jahren der Finanzkrise Milliarden an Buchverlusten nicht ausgewiesen zu haben. Dadurch habe sich die Bank, die ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen ist, schön gerechnet, erklärte die Anwaltskanzlei Labaton Sucharow, die einen der Ex-Banker vertritt. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe, über die die Nachrichtenagentur Reuters erstmals bereits Mitte 2011 berichtet hatte, als unbegründet zurück. Dennoch wurden in Deutschland am Donnerstag Forderungen laut, die Finanzaufsicht BaFin einzuschalten. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Gerhard Schick, hält eine Sonderprüfung der Bonner Behörde für angebracht.

Nach einem Bericht der "Financial Times" geht es um verschleierte Verluste in Höhe von bis zu zwölf Milliarden Dollar. Das Blatt beruft sich auf drei ehemalige Mitarbeiter, die sich an US-Regulierer wie die Börsenaufsicht SEC gewandt hätten. Konkret geht es um hochkomplexe Wertpapiere in einem bis zu 130 Milliarden Dollar schweren Derivateportfolio des Instituts, das mittlerweile weitgehend abgebaut worden ist. Wenn das Institut diese Papiere damals korrekt nach Marktwerten bilanziert hätte, wären die Ergebnisziele nicht erreicht worden, erklärte die Kanzlei Labaton Sucharow, die einen ehemaligen Riskoanalysten der Bank vertritt. Laut FT hätte die Bank möglicherweise sogar Staatshilfe nehmen müssen. Ex-Bankchef Josef Ackermann hatte einmal gesagt, es wäre eine Schande, wenn die Deutsche Bank Gelder des Staates in Anspruch nehmen müsste.

Für die Bank geht es daher unter anderem um die eigene Glaubwürdigkeit. Die Vorwürfe seien umfangreich untersucht worden, sagte ein Sprecher. "Die Bewertungen und die Finanzberichterstattung waren korrekt." Bei der Prüfung sei herausgekommen, dass die Anschuldigungen von Personen stammten, die keine eigene Kenntnisse über wichtige Fakten gehabt hätten. Die Bank arbeite mit der SEC zusammen. Das Frankfurter Geldhaus sieht sich in den USA mit zahlreichen Klagen konfrontiert. Dabei geht es unter anderem um Falschberatungen bei Hypothekengeschäften. Zudem ist das Institut wegen mutmaßlicher Manipulationen von Referenzzinssätzen im Visier der Behörden.

Neben dem Imageschaden hält Analyst Andrew Lim vom Investmenthaus Espirito Santo auch finanzielle Folgen für möglich. Sollte die SEC Anhaltspunkte für Bilanztricksereien finden, drohten Strafen von bis zu einer Milliarde Dollar, sagte der Bankexperte. Das würde die Ergebnisse und die Kapitalausstattung schmälern. Die SEC und die BaFin äußerten sich nicht dazu. Von den Linken im Bundestag kam harsche Kritik an den Aufsehern: "Dass so etwas zutage tritt, zeigt, dass Dutzende von Wirtschaftsprüfern und die Bafin geschlafen und nichts mitbekommen haben", sagt Axel Troost, finanzpolitischer Sprecher der Linke-Fraktion, zu Reuters.