Metallbranche fürchtet weniger Wachstum und Jobabbau

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 14:20 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Metall- und Elektroindustrie befürchtet wegen der Konjunkturflaute deutlich weniger Wachstum und womöglich auch einen Jobabbau.

Für dieses Jahr sei nur noch ein Produktionsplus von rund 0,5 Prozent zu erwarten, sagte der neue Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, am Donnerstag in Berlin. Im Frühjahr hatte der Verband noch mit einem Anstieg um drei bis vier Prozent gerechnet. "Soweit man für 2013 nach vorne sehen kann, legt das Wachstum weiter eine Pause ein." Die Zahl der Beschäftigten liege in der Branche mit 3,7 Millionen zwar auf dem höchsten Stand seit 1993, der Personalaufbau sei aber vorbei. "Wir gehen davon aus, dass die Beschäftigung in den nächsten Monaten bestenfalls stabil bleiben, vermutlich aber leicht zurückgehen wird."

Hauptgründe seien die schwache Produktion und sinkende Aufträge. Die Stimmung in den Betrieben sei eher düster, sagte Dulger, der vor knapp 100 Tagen den langjährigen Chef-Lobbyisten Martin Kannegiesser abgelöst hat. "Wir werden uns 2013 warm anziehen müssen, das ja. Aber wir können und werden die Winterzeit gut überstehen."

KURZARBEIT STEIGT WIEDER

Gesamtmetall begrüßte die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes von sechs auf zwölf Monate, die die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen hatte. "Das ist eine kluge Vorsorge, um Beschäftigung zu stabilisieren und eine Krise zu verhindern", so Dulger. Nun müsse die Politik Vorbereitungen treffen, um notfalls rasch zu Sonderregelungen zurückzukehren, mit denen 2009 den Arbeitgebern Sozialabgaben bei der Kurzarbeit abgenommen worden waren. "Wir rechnen für die kommenden Monate mit steigenden Zahlen bei der Kurzarbeit." Zuletzt waren es in der Branche knapp 20.000 und damit nur ein Bruchteil der 975.000 zum Höhepunkt der Rezession im Mai 2009. In der Krise waren in der Branche etwa 230.000 Jobs verloren gegangen, seit März 2010 wurden wieder rund 250.000 neue Stellen geschaffen.

Im September 2012 sank die Beschäftigtenzahl erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder - um rund 7000. "Was wir deutlich spüren, ist die fehlende Kaufkraft in Südeuropa", sagte Dulger. Geschäfte mit kriselnden Euro-Staaten würden oft mangels Finanzierung nicht zustande kommen. Eine konkrete Prognose für 2013 wagte der Gesamtmetall-Chef nicht. Aus früheren Verbandsunterlagen geht allerdings hervor, dass die Produktion um bis zu ein Prozent zulegen könnte.

Kritisch beäugt die Metall- und Elektroindustrie Pläne der EU-Kommission, makroökonomische Faktoren wie die Lohnentwicklung zu überwachen. Sollte die Brüsseler Behörde Lohnrichtlinien vorgeben wollen, sei das ein Verstoß gegen die im Grundgesetz garantierte Tarifautonomie, mahnte Dulger. Der Verband werde juristisch dagegen vorgehen, notfalls per Verfassungsklage.

 
A worker controls the liquid steel inside the steel mill of German steel maker Lech-Stahlwerke GmbH in Meitingen near Augsburg October 9, 2012. Picture taken October 9. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: BUSINESS COMMODITIES)