KfW sieht Refinanzierungsmarkt in ruhigerem Fahrwasser

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 17:56 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Refinanzierungsnöte von Europas Banken haben nach Einschätzung der Förderbank KfW spürbar nachgelassen.

"Derzeit lässt sich das Marktumfeld als angespannt, aber weitestgehend ruhig bezeichnen, was vor allem den Maßnahmen der Notenbanken zu verdanken ist", sagte Kapitalmarktvorstand Günther Bräunig am Donnerstag in Frankfurt. "Die Liquidität der Banken hat sich deutlich verbessert." Außerdem hätten die Geldhäuser bei ihrer Eigenkapitalausstattung Fortschritte gemacht und in den Bilanzen aufgeräumt. In vielen Fällen könnten die Institute deshalb wieder unbesicherte Anleihen platzieren. "Die Investoren sind risikobereiter geworden." Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, warnte Bräunig. Die Schuldenkrise sei noch lange nicht vorbei. "2013 wird für die Euro-Zone abermals ein herausforderndes Jahr."

Vor einem Jahr war die Stimmung sehr viel düsterer. Viele Institute hatten Schwierigkeiten, sich für zwei Jahre und länger zu refinanzieren, denn die Investoren zweifelten an der Widerstandsfähigkeit gerade jener Banken, die in den Schuldenstaaten angesiedelt sind oder dort mit Milliardensummen engagiert waren. Geldmarktfonds zogen zudem Dollar-Liquidität ab. Bräunig verglich die Lage damals mit der Situation unmittelbar nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

Davon sei der Refinanzierungsmarkt heute meilenweit entfernt, betonte er nun und verwies vor allem darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Finanzsektor mit milliardenschweren Geldspritzen aufgepäppelt hat. Die müssten zwar irgendwann zurückgezahlt werden. Dennoch gelte: Das Lehman-Gespenst könne begraben werden.

Mit dem Top-Rating der Bundesrepublik im Rücken hat die Staatsbank KfW ohnehin keine Probleme, sich frische Mittel zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt zu besorgen. "Wir sind in allen Märkten jeden Tag emissionsfähig", sagte Bräunig. Bis Ende November nahm das Institut 78,4 Milliarden Euro auf - etwa so viel wie im Vorjahreszeitraum. 2013 sollen es mit 70 bis 75 Milliarden Euro etwas weniger werden, wie Bräunig ankündigte. Das liege an geringeren Fälligkeiten von KfW-Anleihen. Zudem wolle die KfW ihr Fördergeschäft im kommenden Jahr in etwa stabil halten bei 70 Milliarden Euro.

STREIT UM GEWINNABFÜHRUNG: "ES GIBT ALTERNATIVEN"

Vorstandschef Ulrich Schröder, dessen Vertrag in dieser Woche um fünf Jahre verlängert wurde, bemüht sich seit einiger Zeit darum, dass die KfW ihre Bilanz nicht allzu sehr aufbläht. Seiner Ansicht nach darf eine staatliche Bank am Markt nur unterstützend eingreifen und nicht in jede Lücke stoßen. Dennoch steuert die KfW auch 2012 auf einen Gewinn von zwei Milliarden Euro zu. Bislang verblieb das Geld in der Bank, um auch in schlechten Zeiten eine verlässliche Kreditvergabe zu sichern. Doch die Bundesregierung will die Gewinne künftig in den Bundeshaushalt überführen. Der Streit schwelt seit Wochen. Vorstand Bräunig deutete an, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Da ist noch einiges im Fluss. Es gibt Alternativen zur Ausschüttung."