Neue EADS-Struktur entfacht Kursfeuerwerk

Freitag, 7. Dezember 2012, 07:10 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Beschneidung des Staatseinflusses auf den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat der Aktie einen kräftigen Schub verliehen.

An den Börsen in Frankfurt und Paris kletterten die Anteilsscheine am Donnerstag auf den höchsten Stand seit drei Monaten und gingen mit einem Plus von rund acht Prozent aus dem Handel. Für zusätzlichen Schwung sorgte die Ankündigung, dass der Konzern Aktien zurückkaufen will.

Der Einstieg des Bundes bei EADS dürfte auch einen positiven Effekt haben auf die Entwicklung des neuen Airbus-Flugzeugs A350. Am Rande der Verhandlungen sei vereinbart worden, dass Deutschland den bisher auf Eis liegenden Kredit in Höhe von rund 600 Millionen Euro freigeben werde, erfuhr Reuters aus Verhandlungskreisen. Die Auszahlung war bislang mit dem Hinweis blockiert worden, dass EADS mehr Forschungs- und Entwicklungsbereiche in Deutschland ansiedeln müsse.

Nach langem Ringen hatten sich am Mittwoch die Regierungen in Deutschland, Frankreich und Spanien mit den bisherigen EADS-Anteilseignern Daimler und Lagardere auf eine neue Verteilung geeinigt. Deutschland wird als dritter Staat Großaktionär bei EADS und wie Frankreich mit jeweils zwölf Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital beteiligt. Hinzu kommt Spanien mit einer Beteiligung von vier Prozent. Die drei Staaten erhalten jedoch keine Veto-Rechte und unterliegen einer neuen Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent. Die drei Regierungen haben damit insgesamt einen maßgeblichen, aber keinen bestimmenden Einfluss. Bereits Anfang 2013 werde die Neuordnung des Eigentümerkreises bei einer außerordentlichen Hauptversammlung besiegelt, sagte ein Regierungsvertreter.

EADS-Chef Tom Enders will den Staatseinfluss seit langem zurückdrängen. Politisches Gerangel hatte in der Vergangenheit immer wieder wichtige Projekte verzögert. So scheiterte zuletzt beispielsweise die angedachte Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE daran, dass die Interessen der Regierungen nicht in Einklang gebracht werden konnten.

"STEUERUNG DES UNTERNEHMENS WIRD EINFACHER"

Daimler stieß am Donnerstagmorgen bereits plangemäß die Hälfte seines EADS-Anteils ab. Der Auto-Hersteller verkaufte rund 61 Millionen EADS-Aktien zum Preis von je 27,23 Euro an die staatliche Förderbank KfW, das private Investoren-Konsortium Dedalus und institutionelle Anleger. Börsianern zufolge war das Interesse an den EADS-Aktien sehr groß. Im Zuge der Transaktionen hält jetzt die KfW für Deutschland gut zehn Prozent, durch den späteren Aktienrückkauf soll sich der Anteil auf zwölf Prozent ausweiten.

Im zwölfköpfigen Verwaltungsrat soll künftig nur jeweils ein Vertreter aus Deutschland und Frankreich unter staatlichem Einfluss stehen. Allerdings gibt es für zentrale Fragen wie die Verlagerung von Produktionsorten und Hauptsitzen von Unternehmenstöchtern Sonderregelungen. Zentrale Entscheidungen können hier nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Verwaltungsrat getroffen werden.

Die Neuordnung im Eigentümerkreis von EADS kam bei den meisten Analysten gut an. Ob Societe Generale, Deutsche Bank oder Barclays - sie alle hoben ihre Bewertungen für die EADS-Papiere an. "Der Einfluss der Regierungen ist nun deutlich zurückgegangen", fassten die Analysten von Bank of America/Merrill Lynch (BofAML) zusammen.

Als Pluspunkt gilt zudem das Aktienrückkaufprogramm. Der Konzern plant den Erwerb von bis zu 15 Prozent der ausstehenden Aktien in zwei gleichen Tranchen. In der ersten Runde können alle Aktionäre Papiere abgeben, nicht aber die Vertragspartner. Bei der zweiten Tranche sind 5,5 Prozent Lagardere vorbehalten.

Die Pläne überzeugten aber nicht alle Analysten: Moody's senkte ihre Bewertung für EADS auf A2 von A1 und verwies dabei auf die angepeilte Eigentümerstruktur. Ebenfalls skeptisch zeigte sich die Landesregierung von Baden-Württemberg: Ein Sprecher des Finanzministeriums bestätigte einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung", wonach das Land den Verkauf seiner Anteile plane. Demnach zieht Baden-Württemberg als einziges Bundesland mit EADS-Standorten bei der Neuordnung nicht mit. Das grün-rot regierte Bundesland war zuletzt über das Förderinstitut L-Bank und eine Landesbank-Tochter an dem Konzern beteiligt.

 
A visitor stands at the EADS booth during the ILA Berlin Air Show in Selchow near Schoenefeld south of Berlin, September 13, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)