OMV verhandelt über Übernahme von RWE-Anteil an Nabucco

Freitag, 7. Dezember 2012, 14:06 Uhr
 

Wien (Reuters) - Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV erwägt die Anteile des deutschen Konkurrenten RWE am Gaspipelineprojekt Nabucco zu übernehmen.

"Wir sind mit RWE in Gesprächen, deren Anteile zu übernehmen - aber nicht auf Dauer", sagte OMV-Chef Gerhard Roiss am Freitag vor Journalisten. Reuters hatte bereits aus Kreisen erfahren, dass sich RWE aus dem Projekt zurückziehen und seinen Anteil von 16,6 Prozent verkaufen will. Nach Einschätzung von Analysten würde das dem Projekt einen weiteren Dämpfer verpassen. Auch OMV hält bislang einen Anteil von 16,6 Prozent an Nabucco.

Die künftige Anteilsstruktur an der geplanten Pipeline Nabucco West sei noch offen, räumte Roiss ein. Bislang sind neben OMV und RWE die ungarische MOL, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz beteiligt. Langfristig würden sich jene Länder und Unternehmen beteiligen, die eigene Gasreserven hätten und diese zu den Abnehmern in Europa bringen müssten, sagte Roiss. Weil RWE kein eigenes Gas in Schwarzmeer-Raum gefunden habe, wolle sich der deutsche Konzern nun aus dem Nabucco-Konsortium zurückziehen. "Wenn ich kein eigenes Gas hätte, würde ich mich auch nicht beteiligen", sagte Roiss.

OMV selbst ist vor einigen Monaten auf riesige Gasreserven im Schwarzen Meer gestoßen und will diese in Kooperation mit dem Partner Exxon fördern. Noch sei aber nicht absehbar, wie groß die Reserven tatsächlich seien. Dies lasse sich erst 2014 oder 2015 nach weiteren Bohrungen abschätzen, sagte Roiss. "Wenn wir hier große Mengen Gas finden, dann braucht es eine Pipeline. Sie können ein Feld nicht entwickeln, wenn sie keine Pipeline haben." Daher sei ein Bau von Nabucco West auch unabhängig von den Gasreserven aus dem Kaspischen Raum eine Möglichkeit.