Ermittlungen in Euribor-Zinsskandal auf der Zielgeraden

Montag, 10. Dezember 2012, 17:11 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Skandal um die Manipulation des europäischen Marktzinses Euribor sind die Ermittlungen der Aufseher gegen internationale Großbanken auf der Zielgeraden.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin will ihre Untersuchung bis Jahresende abschließen, Ergebnisse und Schlussfolgerungen werden voraussichtlich im ersten Quartal 2013 erwartet, wie eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag sagte. Seit dem Sommer nimmt die Behörde acht deutsche Geldhäuser unter die Lupe, die an der Festlegung des Euribor beteiligt sind. Dazu zählen Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW, BayernLB, Helaba, NordLB und die Landesbank Berlin.

Die Bafin wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Anders als die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien kann die Bonner Behörde zwar keine Strafen gegen einzelne Häuser verhängen. Sollte sich aber der Verdacht erhärten, dass die Kontrollsysteme der Banken versagt haben, droht eine Sonderprüfung - das schärfste Schwert der deutschen Finanzaufseher. Eine solche Prüfung führt die Bafin bereits bei der Deutschen Bank. Hintergrund ist die Manipulation des Londoner Referenzzinssatzes Libor. Sowohl beim Libor als auch beim Euribor sollen Großbanken in der Finanzkrise falsche Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Größeres Ungemach könnte den Banken auf europäischer Ebene drohen: Die Europäische Union (EU) werde schon bald mehrere Institute wegen versuchter Geheimabsprachen beim Euribor verklagen, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag. Die britische Bank Barclays - die auch als erste eine Libor-Strafe gezahlt hatte - habe bereits Manipulationsversuche des Euribor-Zinssatzes zugegeben und von anderen Banken dürften ähnliche Schuldeingeständnisse folgen auf Drängen der Behörden in den USA, in Großbritannien und in anderen Ländern, berichtete die Zeitung. Mindestens ein Dutzend Banken würden untersucht, mindestens vier davon sollen mit Barclays zusammengearbeitet haben. Die Zeitung berief sich auf Unterlagen von Banken und Aufsichtsbehörden.

Unter den Banken, die wegen einer möglichen Zusammenarbeit mit Barclays in Sachen Euribor unter der Lupe sind, sind dem Bericht zufolge die Deutsche Bank, die französischen Institute Credit Agricole und Societe Generale sowie die britische Bank HSBC. Die Deutsche Bank wollte sich dazu im Detail nicht äußern. Sie bekräftigte allerdings, zur Aufklärung des Zinsskandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden rund um den Globus zusammenzuarbeiten.