Wettbewerbshüter: Einspruch gegen Austro-Mobilfunkdeal

Montag, 10. Dezember 2012, 17:34 Uhr
 

Wien (Reuters) - Die geplante Übernahme der Billigtochter des österreichischen Mobilfunkers Orange durch die Telekom Austria steht vor einer weiteren Hürde: Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) will gegen die bereits erfolgte Genehmigung des Kartellgerichts Berufung einlegen.

"Wir werden Rekurs einlegen", sagte ein Sprecher der österreichischen Tageszeitung "Wirtschaftsblatt" (Montagausgabe). Damit würde der Fall vor den österreichischen Obersten Gerichtshof kommen, der erneut Monate für eine Entscheidung benötigen dürfte. Sollte bis Ende Januar keine Klarheit herrschen, könnte die Telekom nach Angaben von zwei mit der Situation vertrauten Personen aus dem Deal aussteigen.

Nach Ansicht der BWB sei die geplante Übernahme "nicht wettbewerbsfördernd, sondern beschränkend und dürfte daher nicht durchgeführt werden", sagte der Sprecher dem Blatt. Eine Sprecherin der BWB bestätigte die Bedenken der Behörde gegen die Übernahme. Eine formale Entscheidung über das weitere Vorgehen der BWB sei jedoch noch nicht getroffen. Diese werde erst Ende dieser Woche oder Anfang kommender Woche fallen, sagte sie. Die Telekom wollte sich nicht zu den Aussagen der BWB äußern.

Das Kartellgericht hatte Ende November grünes Licht für den bis zu 390 Millionen Euro schweren Deal gegeben. Er gilt als Voraussetzung für die Komplettübernahme von Orange Austria durch den Konkurrenten Hutchison, die von den Wettbewerbshütern in Brüssel unter die Lupe genehmigt wird. Eine Entscheidung hatte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia noch für diese Woche angekündigt.

YESSS ODER NO?

Sollte die Telekom tatsächlich aus dem Deal aussteigen, dürfte das lediglich an der Börse gut ankommen: Nach Einschätzung von Analysten ist die Yesss-Übernahme nicht attraktiv, weil sie die ohnehin geringen Finanzreserven des Konzerns weiter schmälert.

Bei einer Untersagung müssten sich die Eigentümer von Orange - der Finanzinvestor Mid Europa Partners und France Telecom - einen Plan B einfallen lassen: Hutchison will Yesss nämlich keinesfalls mitübernehmen. Denkbar wäre etwa, dass die beiden die Orange-Tochter noch länger behalten und zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Verkauf versuchen.