Chinesen kaufen AIG Flugzeug-Leasinggeschäft ab

Montag, 10. Dezember 2012, 17:45 Uhr
 

New York/Hongkong (Reuters) - China steigt im großen Stil in das Flugzeugleasing-Geschäft ein.

Für bis zu 4,8 Milliarden Dollar kaufen Investoren aus dem Reich der Mitte die Mehrheit an dem weltweit zweitgrößten Leasing-Betreiber ILFC, der bisher zum US-Versicherer AIG gehört. Damit sichert sich das asiatische Land einen besseren Zugang zu den begehrten Maschinen und wohl auch niedrigere Preise. In keinem anderen Land wächst die Nachfrage nach Flugzeugen momentan so schnell wie China.

"Das ist der größte Deal in der Flugzeug-Leasingwelt, und er ist sehr ambitioniert", sagte Branchenexperte Paul Sheridan von der Beratungsfirma Ascend Advisor. "Er wird den chinesischen Airlines helfen, mehr Flugzeuge zu bekommen." Dies sei derzeit das vorrangige Problem. Durch den Kauf kriegen die neuen Eigentümer zudem Zugang zu etwa 200 Airlines in 80 Ländern. China ist für ILFC bereits der wichtigste Markt. 180 Flugzeuge seiner insgesamt 1000 Jets umfassenden Flotte hat das Unternehmen dort im Einsatz, womit sich der Marktanteil auf 35 Prozent beläuft.

Analysten zufolge werden aus politischen Gründen Käufe bei den großen Flugzeug-Herstellern Boeing und Airbus in etwa gleichmäßig verteilt. Das führt dazu, dass China de facto mehr als nötig zahlt, weil der Wettbewerb der Hersteller weniger scharf ist als in anderen Ländern. Nach der ILFC-Übernahme könnten daher die Preise für chinesische Airlines sinken. Zwei Drittel der neuen Jets dürften nach Prognosen von Airbus und Boeing in den nächsten beiden Jahrzehnten in der Region Asien/Pazifik verkauft werden.

DEAL BRAUCHT GRÜNES LICHT AUS DER POLITIK

Die Transaktion wird in den USA noch politisch unter die Lupe genommen. Allerdings wird das Flugzeug-Leasinggeschäft anders als etwa die Telekomausrüstung oder die Rohstoffbranche als weniger strategisch angesehen, womit ausländische Investoren durchaus zum Zug kommen könnten.

AIG musste in der Finanzkrise im Herbst 2008 nach riskanten Wertpapiergeschäften vom Staat mit 182 Milliarden Dollar vor dem Kollaps gerettet werden. Seitdem verkauft der einst weltgrößte Versicherer zahlreiche Unternehmensteile, hat unter anderem die Asien-Tochter AIA an die Börse gebracht.

Gut 80 Prozent der ILFC-Anteile gehen nun in einem ersten Schritt an das chinesische Konsortium aus mehreren Firmen und Fonds. Dafür werden 4,23 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Die Käufer haben zudem eine Option auf weitere 9,9 Prozent der Anteile. Die chinesische Großbank ICBC wird dem Konsortium beitreten, sobald es grünes Licht der Aufsichtsbehörden gibt.

AIG wollte seine Flugzeug-Leasingsparte seit langem in den USA an die Börse bringen. Sie gehört seit 1990 zum Konzern und ist nach Gecas von General Electric die Nummer Zwei der Branche. Schlechte Marktbedingungen haben dem Unternehmen aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für AIG ist der jetzige Verkauf kein lukratives Geschäft. Dem Konzern zufolge entsteht ein Verlust von 4,4 Milliarden Dollar, unter anderem durch Steuerbelastungen. Der Deal soll bis zum zweiten Quartal 2013 über die Bühne gehen. Der ILFC-Unternehmenswert wird durch das Angebot insgesamt mit 5,28 Milliarden Dollar angesetzt, deutlich unter dem jüngsten Buchwert von knapp acht Milliarden.

 
A banner for American International Group Inc (AIG) hangs on the facade of the New York Stock Exchange, Ocotber 16, 2012. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES - Tags: BUSINESS)