Fusion von Provinzial-Versicherern soll Allianz stoppen

Montag, 10. Dezember 2012, 17:06 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die Übernahmepläne der Allianz für den Sparkassen-Versicherer Provinzial Nordwest sind vorerst vom Tisch.

In den kommenden Monaten sollen die Provinzial Nordwest und ihre Schwestergesellschaft Provinzial Rheinland auf Drängen der Politik und der Sparkassen die Chancen auf eine Fusion untereinander ausloten. "Die Gespräche mit anderen Interessenten werden bis dahin ausgesetzt", ließ die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) nach einem Treffen mit Verbandsvertretern mitteilen. Damit soll verhindert werden, dass die börsennotierte Allianz in den öffentlichen Versicherungssektor vordringt.

Mehrere Anläufe zu einer Fusion der beiden Provinzial-Gesellschaften sind schon gescheitert. Nun betonten Sparkassen-Vertreter die Einspar-Möglichkeiten durch weitere Zusammenschlüsse innerhalb des Sektors: Der Rheinische Sparkassen- und Giroverband (RSGV) als Miteigner der Provinzial Rheinland erklärte, er stehe Gesprächen zur Fusion der beiden Versicherer sehr aufgeschlossen gegenüber. Von einer Veräußerung oder Privatisierung der Provinzial Rheinland halte der Verband nichts. Auch die Opposition im Düsseldorfer Landtag stellte sich hinter die Pläne: "Die Provinzial Nordwest darf nicht an einen Dax-Konzern verkauft werden", forderte CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann.

Der Branchenprimus Allianz könnte nach Angaben von Gewerkschaftern und nach Informationen aus Finanzkreisen mehr als 2,25 Milliarden Euro für die Provinzial Nordwest bieten. Sie ist mit mehr als drei Milliarden Euro Beitragseinnahmen die zweitgrößte Sparkassen-Versicherung und in Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Die Allianz würde damit in die Phalanx der elf öffentlichen Versicherer eindringen und könnte ihre Policen in den Sparkassen-Filialen verkaufen. Die Provinzial Rheinland ist im südwestlichen Teil von Nordrhein-Westfalen und im nördlichen Rheinland-Pfalz tätig. Mitarbeiter der Provinzial Nordwest hatten vergangene Woche auf Betriebsversammlungen massiv gegen die Pläne der Allianz protestiert.

Der deutsche Sparkassenverbands-Präsident Georg Fahrenschon warb ebenfalls für Fusionen innerhalb des Sparkassensektors. Es gebe erhebliches Optimierungspotenzial bei den öffentlichen Versicherern. Private Dritte brauche es dazu nicht.

DOPPELVERDIENER

Zum ersten Mal nahm auch der Verband öffentlicher Versicherer (VÖV) Stellung: Verbandschef Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, der die in Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg aktiven SV Versicherung führt, warnte die Sparkassen vor einem Verkauf der Provinzial Nordwest. Der Verkauf an einen privaten Versicherer bringe nur kurzfristig Vorteile. Als Miteigentümer könnten sie dagegen doppelt verdienen - über Erträge und Provisionseinnahmen - und außerdem über Produkte mitentscheiden. "Durch die Konsolidierung innerhalb der Gruppe öffentlicher Versicherer konnten verstärkt Synergien gehoben werden, um langfristig höhere Erträge für unsere regionalen Eigentümer zu erzielen", sagte Wolff von der Sahl.

Die Sparkassenverbände in Westfalen-Lippe (40 Prozent) und Schleswig-Holstein (18 Prozent) sind maßgeblich an der Provinzial Nordwest beteiligt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) - ein Verbund von neun Städten und 18 Kreisen - hält weitere 40 Prozent. Er hatte sich als einziger Eigentümer offen gegen einen Verkauf an die Allianz ausgesprochen. Am Montag stellte auch er sich hinter die Fusionspläne mit der Provinzial Rheinland.