Bahn-Chef: Kein Ausstieg aus Stuttgart 21

Dienstag, 11. Dezember 2012, 16:32 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Die Bahn hält trotz einer erwarteten Kostenexplosion am umstrittenen Bahnhofsbauprojekt Stuttgart 21 fest.

"Wir stehen zu 'Stuttgart 21', wir werden diesen Bahnhof bauen", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe). Ein Ausstieg sei schon rechtlich nicht möglich. Der Bahn-Vorstand berät am Dienstag über neue Schätzungen zu den Kosten für den Bau des Tiefbahnhofs, dem Aufsichtsrat sollen die Zahlen am Mittwoch präsentiert werden. Nach Medienberichten könnte das Vorhaben, das 2021 fertiggestellt werden soll, bis zu sechs Milliarden statt der bisher kalkulierten maximal 4,5 Milliarden Euro kosten.

Noch bevor die Zahlen offiziell auf dem Tisch liegen, ist ein Streit über die Aufteilung von Mehrkosten entbrannt. Das grün-rot regierte Land Baden-Württemberg lehnt es strikt ab, mehr als die bisher auf es entfallenden 930 Millionen Euro zu zahlen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht allein die Bahn in der Pflicht. Grube räumte zwar ein, dass die Bahn zum Teil selbst die höheren Kosten verursachte. "Auch wir als Bauherr haben Fehler gemacht", sagte er der Zeitung. Doch machte er dafür außerdem die Projektpartner mit ihren zusätzlichen Wünschen und die massiven Proteste der Bevölkerung verantwortlich, die zu kostspieligen Verzögerungen führten. Neben dem Bund und dem Land sind auch die Stadt, die Region und der Flughafen Stuttgart an dem Vorhaben beteiligt.

Die neuen Kostenschätzungen sind Ergebnis einer Chancen-Risiko-Analyse. Den darin genannten Kostenpunkten stehen Bahnkreisen zufolge auch Einsparmöglichkeiten gegenüber. Das Bauprojekt erhitzt seit Jahren die Gemüter in der baden-württembergischen Landeshauptstadt und katapultierte im Frühjahr vergangenen Jahres die Grünen an die Spitze der Regierung. Ende 2011 gab die baden-württembergischen Bevölkerung dem Projekt in einer Volksabstimmung mehrheitlich ihren Segen. Der Umbau des Bahnhofs, die kilometerlangen Tunnel unter der Innenstadt und die Anbindung Stuttgarts an die ICE-Strecke nach Ulm werden nach derzeitigen Planungen nicht vor Ende 2021 in Betrieb gehen.

Grube erklärte in dem Zeitungsinterview weiter, die steigenden Kosten für das Großprojekt verhagelten die Bilanz der Bahn in den kommenden Jahren nicht. "Die zusätzlichen Belastungen verteilen sich ja über viele Jahre."

 
An excavator works in front of the Stuttgart train station, June 15, 2011. German rail operator Deutsche Bahn restarted work on the controversial Stuttgart 21 rail project on Tuesday. The project involves rebuilding the city's historical main station to make way for the Stuttgart 21 underground railway station. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: POLITICS TRANSPORT)