Aufschwung in der Chemiebranche lässt auf sich warten

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 14:19 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Chemieindustrie hat die Hoffnung auf einen spürbaren Branchenaufschwung in der nahen Zukunft aufgegeben.

Wegen der Rezession in Südeuropa und der weiterhin mauen Weltkonjunktur erwartet Deutschlands drittgrößter Industriezweig für das nächste Jahr nur magere Zuwächse bei Umsatz und Produktion. "Die konjunkturellen Vorzeichen für 2013 lassen ein erneut schwieriges Jahr für die deutsche Chemie erwarten", sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Merck-Chef Karl-Ludwig-Kley, am Mittwoch in Frankfurt. Vor allem die nachlassende Nachfrage aus Europa macht der Branche momentan zu schaffen. Auch im Inlandsgeschäft rechnet Kley 2013 lediglich mit Stagnation.

Ingesamt geht der Chemieverband für das nächste Jahr von einer schmalen Ausweitung der Chemikalienproduktion um 1,5 Prozent sowie von einem leichten Anstieg des Branchenumsatzes von zwei Prozent auf 188 Milliarden Euro aus. Dabei erwartet Kley, dass die Unternehmen Preiserhöhungen von nur 0,5 Prozent durchsetzen können. In Pessimismus will der VCI-Chef dennoch nicht versinken: "Bislang haben wir uns trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen gut geschlagen. Das werden wir auch 2013 tun", versicherte er. Der europäische Branchenverband Cefic, dem derzeit BASF-Chef Kurt Bock vorsteht, hatte vor wenigen Tagen für 2013 einen noch geringeren Zuwachs der Produktion von 0,5 Prozent prognostiziert.

Impulse für das Geschäft erwartet der Industriezweig vor allem aus den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas, wobei China trotz schwächeren Wachstums die Lokomotive bleibt. Das Exportgeschäft wird Kley zufolge daher auch 2013 der Wachstumstreiber für die Branche sein. "In den USA bleibt der Aufwärtstrend intakt, allerdings ohne Dynamik." Aus den Firmen waren zuletzt aber auch wieder einige positive Stimmen zu hören. So machte der US-Chemiekonzern DuPont Anzeichen für eine Verbesserung der Marktbedingungen in einigen Bereichen aus.

Die Chemieindustrie gilt als Frühbarometer für die allgemeine Konjunktur, da ihre Produkte in sämtlichen Industriezweigen gefragt sind. Veränderungen des Wirtschaftsklimas spüren die Unternehmen deshalb sehr früh in ihren Auftragsbüchern.

BRANCHE BEKAM 2012 KONJUNKTURSCHWÄCHE ZU SPÜREN

Im laufenden Jahr hinterließen das schwache Wachstum der Weltwirtschaft und die Rezession in Südeuropa deutliche Bremsspuren im Chemiegeschäft. "Das war alles ein bisschen viel auf einmal", sagte Kley. Die Chemikalienproduktion schrumpfte 2012 nach vorläufigen Zahlen um drei Prozent. Der Branchenumsatz verharrte auf dem Vorjahresniveau bei 184,2 Milliarden Euro. Dabei stieg das Auslandsgeschäft um zwei Prozent, während der Umsatz auf dem Heimatmarkt um 2,5 Prozent sank. Die Unternehmen konnten ihre Preise um 2,5 Prozent anheben. Die Anlagen waren mit rund 83 Prozent immer noch gut ausgelastet.

Auf die Beschäftigung wirkte sich das graue Umfeld bislang nicht aus. "Ungeachtet der Konjunktureintrübung haben die Chemieunternehmen 2012 Beschäftigung aufgebaut", sagte Kley. Die Zahl der Arbeitsplätze nahm um zwei Prozent auf 437.000 zu. Die Chemieunternehmen investierten insgesamt 6,6 Milliarden Euro - ein Plus von fünf Prozent. Für das nächste Jahr rechnet Kley aber nur mit einem gleichbleibenden Investitionsniveau. Einen weiteren Arbeitsplatzaufbau sieht der Verband nicht.