Puma sucht Heil in Wechsel an der Führungsspitze

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 14:59 Uhr
 

München (Reuters) - Abpfiff für den Puma-Chef: Der strauchelnde Sportartikelhersteller will die zweite Halbzeit seines Konzernumbaus nicht mit Franz Koch als Kapitän bestreiten.

Der Vorstandsvorsitzende scheide - nach nicht einmal zwei Jahren im Amt - Ende März 2013 aus, teilte der Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach am Mittwoch nach einer Verwaltungsratssitzung mit. Ein Nachfolger soll bis spätestens Frühjahr 2013 verpflichtet werden. Die Suche laufe intern wie extern, sagte ein Konzernsprecher. Der neue Chef soll den von Koch eingeleiteten größten Konzernumbau seit 20 Jahren zum Erfolg führen und dem Hersteller mit innovativen Produkten wieder Beine machen.

Beim Branchendritten nach Nike und Adidas läuft es seit etwa fünf Jahren nicht mehr rund. Der Umsatz steigt zwar, aber auf Kosten des Gewinns. Die Krise in Europa macht Puma stärker zu schaffen als den Rivalen, die Rückgänge durch Zuwächse in Asien und Amerika ausgleichen. Der fränkische Konzern dagegen schwächelt in Asien und wird seine Turnschuhe nur noch mit hohen Rabatten los. Im dritten Quartal brach der Überschuss um 85 Prozent ein. Vorstandschef Koch hatte deshalb angekündigt, die Kosten noch weiter zu senken, Hunderte unrentable Shops zu schließen und die Produktpalette massiv auszudünnen.

RÜFFEL VON "MISTER PUMA"

Der Topmanager, der bei seinem Amtsantritt im Sommer 2011 erst 32 Jahre alt war, galt wegen der Schwierigkeiten des Konzerns bereits als angezählt. Sein Vorgänger Jochen Zeitz brüskierte ihn im Herbst mit einem ungewöhnlichen öffentlichen Rüffel: In einem Interview sagte der damalige Verwaltungsratschef, er sei sich mit dem französischen Luxusgüterkonzern und Puma-Großaktionär PPR einig, dass Koch dringend handeln müsse, damit Puma wieder bessere Ergebnisse erziele. Branchenexperten gingen davon aus, dass der Vorstandschef unter der Aufsicht seines Vorgängers nicht frei genug agieren und alte Zöpfe abschneiden konnte, um die Trendwende zu schaffen. Außerdem hieß es, Koch brauche mehr Zeit, auch weil die unter seiner Ägide entwickelten Produkte zwei Jahre Vorlaufzeit hätten. Der Verwaltungsratschef wolle mit der Kritik an seinem Nachfolger eine Brandmauer aufziehen und sein Lebenswerk retten.

Zeitz, "Mister Puma" genannt, stand 18 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens. Er trimmte die Pleite-Firma zu einem hochprofitablen Unternehmen, das neben Sportschuhen und Trikots auch Lifestyle- und Modeartikel anbietet. Seinen früheren Strategiechef Koch boxte Zeitz gegen Widerstände als Nachfolger durch. "Dies ist das Schlusskapitel von Zeitz' Vermächtnis", sagte ein Analyst zum Führungswechsel. Der Sportartikel-Hersteller mit der Raubkatze im Logo starte jetzt neu durch. Unter wessen Leitung ist indes offen. Innerhalb des Konzerns springt kein Nachfolgekandidat sofort ins Auge. Das "Manager Magazin" berichtete, der Adidas-Chefeinkäufer Andy Koehler soll neuer Vorstand für das Tagesgeschäft werden. Puma lehnte einen Kommentar dazu ab, Adidas bestätigte jedoch den Weggang Koehlers.

VERFOLGER IM NACKEN

Der Konzern verändere die Struktur seines Topmanagements, hieß es lediglich. Mit dem Wechsel an der Firmenspitze werde ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen. Zeitz hatte sich Ende November als Verwaltungsratschef zurückgezogen, um sich seinem Lebensthema Nachhaltigkeit zu widmen. Seither bekleidet PPR-Vize-Chef Jean-Francois Palus diesen Posten. Er gilt als Praktiker, der das Ruder bei dem schlingernden Sportartikel-Hersteller herumreißen soll. "Puma ist eine fantastische Marke, aber Pumas Ergebnisse sind überhaupt nicht fantastisch", sagte er unlängst. Der Konzern habe zu viel Zeit und Geld für Kommunikation statt für das Produkt aufgewendet. Der Abstand zu Nike und Adidas wuchs und auch die Verfolger schlafen nicht: Der US-Sportartikelhersteller New Balance will stärker ins Fußball-Geschäft einsteigen und so Puma von Platz 3 verdrängen.

Mit Verwaltungsratschef Palus werde Koch noch bis Ende März 2013 zusammenarbeiten, um den Konzernumbau samt profitablem Wachstum sicherzustellen, hieß es von Puma. 2012 soll der Umsatz steigen, der Konzerngewinn dürfte aber deutlich unter den 230 Millionen Euro aus dem Vorjahr liegen. Bis 2015 sind Erlöse in Höhe von vier Milliarden Euro angepeilt. Der französische Luxusgüter- und Sport-Konzern PPR, zu dem unter anderem die Marke Gucci gehört, hält rund 82 Prozent an Puma.

 
Sprinter Usain Bolt of Jamaica holds a Puma shoe during a news conference in Berlin, August 13, 2009. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY SPORT ATHLETICS HEADSHOT)