US-Geschäft beflügelt Solarworld - Krise bleibt

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 15:57 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Anziehende Geschäfte in den USA sorgen bei der krisengeschüttelten Solarworld für einen Lichtblick und bei Anlegern für Euphorie.

"Q4 läuft in den USA sehr gut, besser als in Deutschland", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Ob das allerdings reicht, die Einbußen hierzulande auszubüglen, ließ er offen. Während in den USA seit Monaten teils hohe Zölle auf chinesische Solarimporte gelten, muss sich Asbeck in Deutschland der Billig-Konkurrenz aus der Volksrepublik geschlagen geben. Eine Entscheidung der EU-Kommission zu möglichen Einfuhrzöllen wird erst im kommenden Jahr erwartet.

Experten von GTM Research und der Solar Energy Industries Association (SEIA) rechnen in den USA bis 2014 mit einer deutlichen Zunahme von neu installierten Photovoltaik-Anlagen. Nach einem 44-prozentigen Plus im dritten Quartal auf 684 Megawatt (MW) erwarten sie, dass sich im vierten Quartal die Menge auf 1,2 Gigawatt (GW) verdoppeln könnte. Im Gesamtjahr rechnen sie mit einem Zubau von 3,2 GW. Damit wächst der US-Markt zwar deutlich, liegt aber immer noch erheblich hinter Deutschland. Hierzulande wurden bis Ende Oktober bereits rund 6,8 GW auf Dächer und Felder geschraubt.

Die positiven Signale schürten am Mittwoch bei Anlegern von Solarworld und SMA Solar die Hoffnung auf bessere Zeiten. Beide Titel führten mit einem Plus von über elf beziehungsweise über fünf Prozent die Gewinnerliste im TecDax an. Die Papiere von Solarworld markierten ein Vier-Wochen-Hoch von 1,19 Euro. Im Vergleich zum Jahresbeginn liegen die Titel aber immer noch 65 Prozent im Minus. Damit steuert Solarworld auf die zweitschlechteste Kurs-Jahresbilanz der Unternehmensgeschichte zu.

STRATEGISCHER PARTNER EINE OPTION VON VIELEN

Trotz der positiven Aussichten in Übersee und des anhaltenden Solarbooms auf dem Heimatmarkt gibt es für Solarworld keinen Grund zum Aufatmen. Vielmehr läuft dem mit rund einer Milliarde Euro verschuldeten Konzern die Zeit davon und das Eigenkapital zerrinnt weiter. Bis zu einer Entscheidungen der EU-Kommission über mögliche Strafzölle gegen chinesische Billig-Importe könnte ein Weg aus dem Dilemma sein, sich einen finanzstarken Partner ins Boot zu holen. "Natürlich denkt man den ganzen Tag darüber nach, was für die Gesellschaft gut wäre. Eine strategische Partnerschaft ist eine Option unter vielen", betonte Asbeck, der über 25 Prozent an Solarworld hält. Eine Möglichkeit sei aber auch, "es alleine zu schaffen."

Solarworld verbuchte in den ersten neun Monaten operativ einen Verlust von 189,6 Millionen Euro und verbrannte 60 Prozent seiner liquiden Mittel sowie 40 Prozent des Eigenkapitals. Asbeck war wegen des unerwartet schlechten Geschäftverlaufs im Sommer gezwungen, neue Kreditvereinbarungen mit den Banken zu schließen. Experten erwarten allerdings, dass es in den kommenden Monaten erneut eng wird und auch die neuen Vereinbarungen (Covenants) verletzt werden. Sanierungsexperten seien bereits an Bord, erfuhr Reuters von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person. Asbeck betonte indes, derzeit gebe es keinen Grund, mit den Banken neu zu verhandeln.