Kupferkonzern Aurubis trotz Abschwung zuversichtlich

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 17:34 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Europas größte Kupferhütte Aurubis macht Investoren trotz des Konjunkturabschwungs Hoffnungen auf stabile Geschäfte.

"Wir gehen auch im neuen Geschäftsjahr von einer zufriedenstellenden Ertragslage aus", sagte Konzernchef Peter Willbrandt am Donnerstag bei der Bilanzpräsentation. Das Geschäftsniveau werde auf Höhe des Vorjahres liegen. Für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2011/2012 soll den Eignern - darunter als größter der mit der Branchenflaute ringende Stahlkonzern Salzgitter - eine um 15 Cent auf 1,35 Euro je Anteilschein erhöhte Dividende zufließen.

Willbrandt begründete seine Zuversicht mit dem nach wie vor hohen Kupferbedarf in Europa und in Übersee. Der Rohstoffhunger in China wachse zwar langsamer als noch vor ein paar Jahren, die Nachfrage nach dem roten Industriemetall sei aber auch dort weiter groß. Dadurch werde der Kupferpreis hoch bleiben. Ein hoher Kupferpreis sorgt dafür, dass die Minen bei Aurubis auch mehr Rohstoff verarbeiten lassen wollen. Dadurch wiederum bleibt der Schmelzlohn hoch, eine Hauptquelle für den Gewinn der ehemaligen Norddeutschen Affinerie. Anleger quittierten die Zuversicht mit Zukäufen: Die im Nebenwerteindex MDax gelistete Aurubis-Aktie drehte ins Plus.

ERSTE BREMSSPUREN

Allerdings gibt es auch Bremsspuren: Im Schlussquartal von Juli bis September des abgelaufenen Geschäftsjahres 2011/2012 schrumpfte der bereinigte Betriebsgewinn überraschend stark um ein Drittel auf 49 Millionen Euro. Analysten waren im Schnitt von einem Rückgang auf 56,7 Millionen Euro ausgegangen. Als Grund führte Aurubis einen Produktionsstillstand der Hütte in Pirdop in Bulgarien, geringere Schmelzlöhne im Kupferrecycling und eine geringere Nachfrage der Kabelhersteller nach Gießwalzdraht und Strangguss an. Kabel werden vor allem von der Automobilindustrie und von Energieversorgern geordert, die sich wegen der Absatzkrise in Südeuropa und dem schleppenden Netzausbau mit Bestellungen derzeit zurückhalten. Bis zur Jahresmitte hatte Aurubis die schrumpfende Nachfrage nach Kupferprodukten noch durch höhere Schmelzlöhne in der Kupfererzeugung und beim Kupferrecyling wettgemacht.

Im September und Oktober will Aurubis, deren Firmenname für rotes Gold steht, zudem die Konzentratverarbeitung in Hamburg für Wartungs- und Modernisierungsarbeiten vorübergehend aussetzen. Dadurch würden etwa 150.000 Tonnen Kupferkonzentrat weniger verarbeitet, fast 15 Prozent der Jahreskapazität am Stammsitz. Willbrandt betonte jedoch, dass sich dies nicht auf die Kathodenproduktion auswirken werde, da der Bedarf an Kupferkonzentrat durch andere Standorte gedeckt werden könne.

FINGERZEIG

Der Aurubis-Chef kündigte an, das Kupferrecycling in den nächsten Jahren auszubauen. Dadurch solle die Abhängigkeit von Rohstofflieferungen aus dem Ausland verringert werden. Er gab damit zugleich einen Fingerzeig für mögliche Strategieänderungen. Aurubis hatte unlängst angekündigt, den strategischen Kurs zu überprüfen. In dem Zusammenhang hatte Willbrandt von "Adjustierungen" gesprochen, eine 180-Grad-Wende sei nicht geplant. Bislang sind die Überlegungen offenbar jedoch noch nicht konkreter geworden. "Wir überlegen weiter, wie wir uns entwickeln wollen", sagte der Vorstandschef. Auch über Zukäufe, die Aurubis in der Vergangenheit immer wieder als Möglichkeit ins Gespräch gebracht hatte, gebe es "nichts Konkretes" zu berichten.