Kartellamt bremst Asklepios aus - Rhön-Aktionäre hoffen

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 19:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Krankenhauskonzern Asklepios kann seinen Anteil am Konkurrenten Rhön-Klinikum vorerst nicht auf über zehn Prozent aufstocken.

Das Bundeskartellamt habe Vorbehalte gegen das Vorhaben von Asklepios, teilte die Bonner Behörde am Donnerstag mit. Da bei Rhön-Klinikum laut Satzung mehr als 90 Prozent Zustimmung bei wichtigen Entscheidungen nötig sind, hätte Asklepios mit zehn Prozent der Rhön-Anteile eine Sperrminorität. "Mit der Beteiligung erhielte Asklepios faktisch die Möglichkeit, Vorstöße ihres Wettbewerbers Rhön zu unterbinden", sagte Kartellamt-Präsident Andreas Mundt.

Asklepios war im Juni mit gut fünf Prozent bei Rhön eingestiegen und hatte damit die 3,1 Milliarden Euro schwere Übernahme der fränkischen Klinikkette durch den Gesundheitskonzern Fresenius verhindert. Seitdem hat Asklepios seinen Anteil an Rhön Finanzkreisen zufolge weiter aufgestockt, um einen Verkauf der fränkischen Firma an einen Wettbewerber unmöglich zu machen. Asklepios-Eigner Bernard Broermann will so Branchenkreisen zufolge die Schaffung eines übermächtigen Konkurrenten in Deutschland verhindern.

"Der Plan von Broermann, die Blockade im Alleingang sicherzustellen, ist mit dem Bescheid des Bundeskartellamts geplatzt", sagte ein Brancheninsider. Bei den Anlegern keimte deshalb die Hoffnung auf, dass die Gegner einer Rhön-Veräußerung ihren Widerstand aufgeben und das Unternehmen am Ende doch noch verkauft werden kann. Rhön-Aktien legten in der Spitze 3,8 Prozent zu und gehörten damit zu den größten Gewinnern im MDax. Andere Branchenkenner wiesen jedoch darauf hin, dass auch der Medizintechnikkonzern B. Braun, der in der Vergangenheit mit Asklepios zusammengearbeitet hat, mit gut fünf Prozent an Rhön beteiligt ist. "Auch wenn Asklepios einen Anteil von unter zehn Prozent hat, kann ein Verkauf von Rhön-Klinikum somit weiter blockiert werden."

ENTSCHEIDUNG MITTE JANUAR

Die beteiligten Unternehmen haben nun einige Tage Zeit, um sich zur Analyse des Bundeskartellamts zu äußern und gegebenenfalls neue Vorschläge zu machen. Bereits Mitte Januar 2013 will die Behörde dann eine abschließende Entscheidung fällen. Asklepios erklärte, es werde die Stellungnahme und die Bewertung des Bundeskartellamt nun erst einmal sorgfältig prüfen. Rhön-Klinikum teilte mit, es habe volles Vertrauen in die Arbeit der Wettbewerbsbehörde.

Das Bundeskartellamt sieht die Gefahr, dass Asklepios durch ein stärkeres Engagement bei Rhön vor allem in der Region Goslar eine marktbeherrschende Stellung erlangen würde. Asklepios betreibt dort das Harzklinikum und in der Umgebung befinden sich in Salzgitter, Herzberg und Wolfenbüttel drei Krankenhäuser von Rhön. Asklepios könnte das Krankenhaus, das Kreisen zufolge lediglich 80 bis 90 Millionen Euro zum Asklepios-Jahresumsatz von knapp drei Milliarden Euro beiträgt, zwar verkaufen.

Dass Asklepios das Kartellamt damit umstimmen kann, ist jedoch zweifelhaft. Das Bundeskartellamt deutet in seiner Stellungsnahme nämlich auch an, dass es grundsätzlich die Gefahr sieht, dass Asklepios mit einem Anteil von zehn Prozent erheblichen Einfluss auf strategische Entscheidungen bei Rhön nehmen könnte. Erwähnt ist unter anderem ein Projekt von Rhön, "mit einem weiteren privaten Krankenhausbetreiber ein integriertes Angebot für medizinische Behandlungen aufzubauen (...) und diese Leistungen bundesweit durch ein Versicherungsangebot zu ergänzen". Damit spielt die Behörde auf die geplante Übernahme von Rhön durch Fresenius an, durch die ein bundesweites Kliniknetz entstehen würde. Ein fusioniertes Unternehmen könnte dann auch private Zusatzversicherungen anbieten.

- von Andreas Kröner