Schwäche der Konkurrenz kommt VW-Finanztochter zugute

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 19:27 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Die Finanzierungs- und Leasingtochter von Volkswagen kommt angesichts der Schwäche direkter Konkurrenten beim Ausbau ihres Geschäfts in Europa schneller voran als gedacht.

"Wir werden unser Ziel wahrscheinlich erhöhen müssen", sagte Vorstandschef Frank Witter am Mittwochabend in Hannover. Die VW-Tochter wollte den Anteil der finanzierten und geleasten Fahrzeuge am Absatz der Marken des Wolfsburger Konzerns in Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien in den nächsten Jahren auf 40 Prozent steigern. Mit 35 bis 40 Prozent ist dieses Ziel bereits jetzt zum Greifen nahe. "Wir kommen offenbar noch besser voran, als wir uns vorgestellt haben", fügte Witter hinzu. Die Zielmarke könnte auf 50 Prozent angehoben werden.

In Deutschland wird bereits mehr als die Hälfte der von Europas größtem Autokonzern verkauften Fahrzeuge von der Finanztochter finanziert. Auf dem Heimatmarkt habe VW Financial Services in diesem Jahr leicht zugelegt. Immer mehr Käufer nutzen die Finanzierungsangebote, um sich Wagen mit einer höherwertigen Ausstattung in die Garage zu stellen. Dabei subventionieren die einzelnen Marken den Zinssatz mit ihren Absatzbudgets. Nach einem ähnlichen Prinzip verfahren auch BMW, Daimler und Ford.

RABATTSCHLACHT? WIR?

Witter machte deutlich, dass auch Volkswagen wegen der Absatzkrise in Westeuropa Preisnachlässe gewährt. Er nannte dies eine "marktgerechte Teilnahme am Wettbewerbsumfeld". Durch "intelligente Pakete" aus Finanzierung, Versicherung und Zusatzangeboten bei Dienstleistungen wie Wartung sollten den Händlern "zusätzliche Argumente" für den Autoverkauf an die Hand gegeben werden. An einer Rabattschlacht beteilige sich der Wolfsburger Konzern nicht. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte VW unlängst vorgeworfen, durch die Preisgestaltung ein "Blutbad" unter den Konkurrenten anzurichten. Dies hatte einen Streit ausgelöst, der darin gipfelte, dass VW die Ablösung von Marchionne als Chef des europäischen Herstellerverbandes ACEA forderte. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet.

DIREKTBANK BOOMT

Bei der Refinanzierung profitieren die Wolfsburger von der konzerneigenen Direktbank. Deren Einlagen kletterten in diesem Jahr um elf Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Vergleichbare Summen steuern Schuldverschreibungen und verbriefte Forderungen bei. Die VW-Finanztochter habe keinerlei Probleme gehabt, sich die nötigen Gelder zu beschaffen, sagte Witter. "Die Refinanzierung ist gut gelaufen."

Die Kredite für Autokäufe steigerte VW 2012 weltweit um 20 Prozent auf 3,6 Millionen Verträge. Die Zahl der Leasingkontrakte kletterte um acht Prozent auf 1,3 Millionen. Die Zahl der Versicherungs- und Serviceverträge stieg um fast ein Fünftel auf 3,1 Millionen, weil die Finanzsparte verstärkt Pakete anbietet.

Dies könnte sich durch die kürzlich ausgeweitete Zusammenarbeit mit der Allianz noch verstärken. VW hatte unlängst mit Deutschlands größtem Versicherer ein Gemeinschaftsunternehmen für Autoversicherungen gegründet, das ab Anfang April an den Start gehen und dann vor allem der HUK-Coburg Paroli bieten soll. VW-, Audi-, Skoda- und Seat-Verkäufer sollen die Versicherungsprodukte der neuen Gesellschaft zusammen mit dem Auto an den Mann oder die Frau bringen.   Fortsetzung...