Fresenius will defizitäre Biotech-Tochter abstoßen

Freitag, 14. Dezember 2012, 10:27 Uhr
 

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der Gesundheitskonzern Fresenius verabschiedet sich von seiner verlustbringenden Biotechnologie-Tochter.

Fresenius führe derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten über einen Verkauf von Fresenius Biotech, teilte der Konzern am Freitag mit. Konkreter wollte ein Sprecher auf Anfrage nicht werden. Als "gleichwertige Alternative" prüfe Fresenius, ob das Geschäft mit dem Immunsuppressivum ATG-Fresenius S im Konzern verbleibt. Das Geschäft sei schon lange profitabel, mit einer zweistelligen Ebit-Marge, so der Sprecher. Aufgeben werde das Unternehmen aber auf jeden Fall das defizitäre Geschäft mit dem Antikörper Removab, was sich ab 2013 positiv auf das Konzernergebnis auswirken werde. Fresenius wolle im ersten Quartal eine endgültige Entscheidung für die Biotechnologie-Sparte treffen. Dort sind derzeit rund 160 Mitarbeiter beschäftigt.

Die geplante Trennung von dem im Vergleich zu anderen Konzernsparten kleinen Biotechnologiegeschäft kommt nicht unerwartet. Fresenius-Chef Ulf Schneider hatte mehrfach betont, dass sich der Konzern auf die vier Kerngeschäftsfelder - Fresenius Medical Care, Fresenius Kabi, Fresenius Helios und Fresenius Vamed - konzentrieren will, weil er hier weltweit die größten Wachstumschancen sieht.

Fresenius Biotech erzielte in den ersten neun Monaten 2012 einen Umsatz von insgesamt 26 Millionen Euro, davon entfielen 22,5 Millionen Euro auf ATG-Fresenius S. Mit Removab erlöste der Konzern lediglich 3,3 Millionen Euro. Für 2012 erwartet Fresenius Biotech einen operativen Verlust (Ebit) von rund 25 Millionen Euro. Der Mutter-Konzern Fresenius erwartet 2012 einen Umsatzanstieg zwischen zwölf und 14 Prozent auf über 19 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis soll 14 bis 16 Prozent auf mehr als 900 Millionen Euro steigen.

Die Anleger zeigten sich erfreut von den Plänen. Die Fresenius-Aktie stieg im frühen Handel 1,7 Prozent auf 89,43 Euro.

FENWAL SOLL KOSTENSYNERGIEN VON JÄHRLICH 60 MIO EURO BRINGEN

In trockenen Tüchern ist derweil die milliardenschwere Übernahme der auf Transfusionstechnik ausgerichteten US-Firma Fenwal, mit der die wichtigste Konzerntochter Kabi in dem Geschäft zum Branchenführer aufsteigen will. Fenwal werde ab dem 1. Dezember in die Bilanz von Kabi genommen. "Die gemeinsame Produktpalette deckt künftig alle Bereiche der Transfusionsmedizin sowie die wichtigsten Märkte weltweit ab", sagte Schneider. Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme Mitte der Woche freigegeben. Fresenius rechnet mit Integrationskosten von 100 Millionen Euro und erwartet mittelfristig Kostenersparnisse von 60 Millionen Euro jährlich.

 
The headquarters of Fresenius is pictured in Bad Homburg near Frankfurt February 24, 2010. Fresenius is a global health care company with products and services for dialysis, hospitals and the medical care of patients at home. REUTERS/Johannes Eisele (GERMANY - Tags: BUSINESS HEALTH)