ProSieben-Eigner machen nach Skandinavien-Verkauf Kasse

Freitag, 14. Dezember 2012, 17:33 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der milliardenschwere Verkauf der Fernsehsender von ProSiebenSat.1 in Skandinavien bringt den Aktionären des Medienkonzerns eine Extra-Dividende von 1,2 Milliarden Euro ein.

Der US-Fernsehkonzern Discovery ("Discovery Channel") zahlt mehr als 1,3 Milliarden Euro für das Geschäft in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland, wie ProSiebenSat.1 am Freitag mitteilte. Er stach damit den Finanzinvestor Providence aus, der ebenfalls um die profitablen Sender gebuhlt hatte. 2011 hatten sie zusammen knapp eine halbe Milliarde Euro umgesetzt. Der Löwenanteil des Verkaufserlöses geht an die Private-Equity-Gesellschaften Permira und KKR, die zusammen 53 Prozent an ProSiebenSat.1 halten: Sie dürfen für das laufende Jahr allein eine Dividende von 640 Millionen Euro erwarten. Ihre Holding Lavena ist hochverschuldet.

ProSieben trifft zugleich Vorbereitungen für den Ausstieg der beiden Finanzinvestoren, deren Holding 88 Prozent der Stamm- und 18 Prozent der Vorzugsaktien hält. Die börsennotierten Vorzüge sollen auf der Hauptversammlung im kommenden Sommer in Stammaktien umgewandelt werden. Das lässt KKR und Permira neben einem Weiterverkauf der Anteile auch die Chance, ihre ProSieben-Aktien in einem zweiten Börsengang loszuschlagen. Danach wäre der Medienkonzern ein Anwärter auf den Einzug in den Leitindex Dax. Die ProSieben-Vorzüge legten am Freitag um 2,9 Prozent auf 23,95 Euro zu. Auf einen Zeitpunkt für den Ausstieg haben sich Permira und KKR jedoch nicht festgelegt; erwartet wird er im kommenden Jahr.

Um die Verteilung des Kuchens hatte es hinter den Kulissen ein Gerangel zwischen den Vertretern von KKR und Permira und ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling gegeben. Hier haben sich die Eigentümer durchgesetzt: 5,60 Euro je Aktie sollen als Dividende für das laufende Jahr ausgeschüttet werden - für 2011 waren es 1,17 je Vorzugs- und 1,15 Euro je Stammaktie.

ProSiebenSat.1 bleibt nach eigenen Angaben rund eine halbe Milliarde Euro, um einen Teil seiner Schulden zurückzuzahlen und in die Digital-Strategie zu investieren. "Wir werden uns künftig noch stärker als bisher auf die Kombination von deutschsprachigem TV und digitalen Aktivitäten konzentrieren, denn hier liegt unser größtes Wachstums- und Synergiepotenzial", sagte Ebeling. Als fokussiertes, auf Deutschland, Österreich und die Schweiz konzentriertes Unternehmen gilt die Sendergruppe um ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 als leichter zu verkaufen. Für die Online-Sparte seien "attraktive Akquisitionen zu vernünftigen Preisen" geplant.

ProSiebenSat.1 hatte zuvor schon die Sender in Belgien und den Niederlanden für einen Milliardenbetrag an den Mann gebracht. Sowohl das Geschäft dort als auch in Skandinavien war erst mit dem Einstieg der Finanzinvestoren auf ProSiebenSat.1 im Jahr 2006 verschmolzen worden, denen die Sendergruppe SBS schon vorher gehört hatte. Doch die damit verbundenen Hoffnungen, einen schlagkräftigen Rivalen zu RTL aufzubauen, hatten sich schnell zerschlagen. Shows und Serien lassen sich in Europa wegen der vielen Sprachen schwer für mehrere Länder produzieren, der Geschmack des Publikums ist zudem sehr unterschiedlich, wie selbst ProSieben-Manager einräumten. Nun stehen auch die Sender in Ungarn und Rumänien zum Verkauf.