Der Postbus kommt wieder - Angriff auf die Bahn

Freitag, 14. Dezember 2012, 17:35 Uhr
 

Düsseldorf/Berlin (Reuters) - Die Deutsche Post will gemeinsam mit dem ADAC den Postbus wieder auf die Straße bringen und der Bahn damit Kundschaft streitig machen.

Auf Fernlinien könnten die traditionsreichen Postbusse ab 2014 wieder auf die Reise gehen.

Man arbeite an einem Konzept, das die wichtigsten Städte Deutschlands miteinander verbinde, teilten ADAC und Post am Freitag mit. Sie könnten dabei auf ihr Netz an Filialen und Geschäftsstellen im ganzen Bundesgebiet zurückgreifen. Reisen in Fernbussen können deutlich günstiger angeboten werden als Bahnreisen, sie gelten aber als ebenso umweltfreundlich. Zum Schutz der Bahn waren Fernbuslinien allerdings bis auf wenige Ausnahmen in Deutschland bislang verboten. Der Markt wird jetzt ab 2013 fast völlig frei gegeben, so dass bereits kleinere und größere Unternehmen wie die Deutsche Touring Angebote angekündigt hatten. Die Bahn selbst, der größte Busbetreiber in Deutschland, hatte erklärt, ihr Angebot mit Bussen trotz der Liberalisierung nicht gesondert ausbauen zu wollen. Die Marktöffnung ist auch für die großen Bus-Hersteller wie MAN und Daimler von Bedeutung.

ERSTE KRAFTPOSTLINIEN VOR ÜBER 100 JAHREN AUFGENOMMEN

Mit dem Einstieg der Post würde ein über hundert Jahre altes Geschäft wieder aufgenommen: Die erste Kraftpostlinie wurde in Bayern Anfang des vergangenen Jahrhunderts aufgenommen. Mit den Bussen wurden sowohl Fracht als auch Personen transportiert. In kurzer Zeit entwickelte sich die Kraftpost zum größten Busunternehmen Europas, was sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb. Die Busse waren damals im Regionalverkehr unterwegs, da der Fernbus-Markt zum Schutz der Bahn streng begrenzt wurde. Mit dem Aufkommen des massenhaften Autoverkehrs schrumpfte die Bedeutung der Busse. Dennoch erreichten Bahn- und Postbusse nach einem Zusammenschluss in den 70er Jahren mit über 400 Millionen Passagieren Rekordzahlen. Die Ära der Postbusse endete dann mit der Postreform im Jahr 1995.

Den Weg für eine Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes zum 1. Januar hatte die Politik vor einigen Wochen frei gemacht. Bis jetzt sind vor allem Linien von und nach Berlin offen, da zur Zeit der Mauer die Stadt so besser angebunden bleiben solle. Nun erhält die Bahn auf praktische allen Strecken Konkurrenz. Geschützt bleiben nur Regionalstrecken mit bis zu 50 Kilometern, die Bahnen mit öffentlichen Zuschüssen betreiben. Busse gelten besonders auf Strecken bis etwa 400 Kilometer als wettbewerbsfähig.