Opel rechnet sich Chancen in Russland und der Türkei aus

Sonntag, 16. Dezember 2012, 14:58 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der angeschlagene Autobauer Opel will auf neuen Märkten zu alter Stärke zurückkehren.

Opel-Interimschef Thomas Sedran sagte im Interview der "Wirtschaftswoche": "Für mich ist Russland der Markt, in dem wir deutlich mehr machen müssen, wo wir als deutsche Marke einen guten Ausgangspunkt haben. Gleiches gilt für die Türkei." Steigende Exporte sollen Opel auch über die Krise in Europa hinweghelfen. In der EU wurden zuletzt so wenige Autos verkauft wie seit 1993 nicht mehr. Aber auch in Europa wollen die Rüsselsheimer in die Erfolgsspur zurückkehren: "Wir wollen die zweitgrößte Pkw-Marke in Europa werden", sagte Sedran. Derzeit liegt Opel in Europa hinter VW und Renault auf dem dritten Platz.

Nach dem angekündigten Aus der Autoproduktion in Bochum hatten Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler dem Opel-Mutterkonzern General Motors vorgeworfen, er verhindere Exporte in wichtige Wachstumsmärkte wie China. Sedran sagte, Opel arbeite an einem Konzept, um die Verkäufe in der Volksrepublik zu erhöhen. Doch selbst ein höheres Geschäftsvolumen würde den deutschen Werken nicht helfen, wies der Manager die Kritik zurück. In China könne nur erfolgreich sein, wer dort auch produziert. "Das hilft Werken in Europa herzlich wenig." Derzeit verkauft Opel in China nur etwa 5000 Autos jährlich.

SEDRAN: GESPRÄCHE MIT PEUGEOT KURZ VOR DEM ABSCHLUSS

Langfristig könnte der in Südkorea produzierte kleine Geländewagen "Mokka" auch in Europa vom Band rollen, sagte Sedran. Kurzfristig sei dies aber aus technischen Gründen nicht möglich. Für den im Oktober in den Handel gekommenen Wagen gebe es bereits über 63.000 Bestellungen, wegen der hohen Nachfrage betrage die Lieferzeit bereits über ein halbes Jahr.

Das Bündnis mit dem ebenfalls angeschlagenen Autobauer PSA Peugeot Citroën stehe nicht vor dem Aus. "Das kann ich klar dementieren", sagte Sedran. Die Gespräche liefen gut, die Verhandlungen über die gemeinsame Entwicklung von Fahrzeugen könne man "sicher bald erfolgreich abschließen". Eine gemeinsame Produktion von Fahrzeugen sei derzeit noch kein Thema: "Darüber sprechen wir noch nicht. Erst einmal wollen wir die Entwicklungsaufträge fertigkriegen." Die Opel-Mutter GM ist seit Februar mit sieben Prozent an PSA beteiligt.