Bund prüft bei Telekom Verzicht auf Bar-Dividende

Montag, 17. Dezember 2012, 16:22 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Deutsche Telekom kann bei ihren milliardenschweren Plänen zum Netzausbau auf Unterstützung ihres staatlichen Großaktionärs hoffen.

Ab 2013 haben Anleger die Wahl, ob sie die Dividende des Bonner Konzerns bar kassieren oder in T-Aktien. Es sei noch nicht beschlossen, welche Option der Bund wähle, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums am Montag. "Die Entscheidung wird im Mai 2013 fallen." Die Telekom könnte sich auf diese Weise binnen drei Jahren Überweisungen von 1,25 Milliarden Euro sparen.

Mit einem Anteil von 32 Prozent ist der Staat mit Abstand größter Aktionär des Ex-Telefonmonopolisten. Rund 15 Prozent hält der Bund direkt, die restlichen 17 Prozent sind bei der KfW geparkt. Ausschließlich für letzteren Anteil spielt der Bund einem Zeitungsbericht zufolge den Cash-Verzicht durch. "Im Mittelpunkt der Überlegungen steht, dass die Telekom der staatlichen Förderbank KfW keine Dividende ausschüttet, sondern im gleichen Wert neue Aktien ausgibt", zitierte das "Handelsblatt" aus Regierungskreisen. Die Ministeriumssprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Ein Telekom-Sprecher betonte: "Ob sich ein Aktionär für eine Sachdividende entscheidet, ist eine Angelegenheit des Aktionärs selbst." Die Telekom ist der erste Dax-Konzern, der eine solche Ausschüttungsvariante anbietet.

Sollte sich der Bund bei seinem KfW-Paket in Höhe von 17 Prozent für die Aktien-Dividende entscheiden, blieben dem Konzern 2013 mehr als 500 Millionen Euro in der Kasse, in den beiden Folgejahren wären es knapp 370 Millionen Euro pro Jahr. Für seinen direkt gehaltenen Anteil von 15 Prozent will der Bund dem Zeitungsbericht zufolge aber weiter Bares sehen, da die Einnahmen im Bundeshaushalt eingeplant seien. Eine Sachdividende ist bei Anlegern üblicherweise wenig populär, weil die zusätzliche Ausgabe von Papieren den Aktienkurs und den Gewinn pro Anteilsschein verwässert. Zudem haben viele Anleger die T-Aktie nur wegen der bislang üppigen jährlichen Ausschüttungen im Depot.

Die Telekom hatte Anfang Dezember ihre krisengeplagten Aktionäre mit einer unerwartet heftigen Dividendenkürzung geschockt. Zugunsten eines milliardenteuren Netzausbaus soll die Gewinnbeteiligung für 2013 und 2014 auf einen halben Euro je T-Aktie gekappt werden - das ist der niedrigste Stand seit knapp zehn Jahren. Für 2012 will die Telekom im Mai kommenden Jahres 70 Cent je Aktie ausschütten. Allein für vier Milliarden Euro will die Telekom ihr Mobilfunknetz in den USA modernisieren, weitere sechs Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Deutschland fließen.

 
The logo of Deutsche Telekom AG is seen at their headquarters in Bonn December 5, 2012. After keeping up its dividend when all around it were cutting theirs, Deutsche Telekom is expected to join the throng of European telcos diverting cash from shareholder payouts to capital investment. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS)