BayernLB-Wohnungen locken Versicherer und Pensionsfonds an

Montag, 17. Dezember 2012, 19:10 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Große Versicherer und Pensionskassen sollen laut Finanz- und Branchenkreisen die Finanzierung für die milliardenschwere Übernahme der 32.000 Wohnungen der BayernLB stemmen.

Mindestens drei der Bieter, die am Montag unverbindliche Angebote für die Wohnungsgesellschaft GBW abgegeben haben, setzten auf die Finanzkraft dieser Kapitalsammelstellen und bastelten an entsprechenden Konsortien, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Offerten reichten bis zu 2,5 Milliarden Euro, hieß es in den Kreisen. Damit würden sich die Preiserwartungen der BayernLB erfüllen, die die GBW auf Geheiß der EU verkaufen muss und mit einem Teil des Erlöses Hilfsgelder an den Freistaat Bayern zurückzahlen will.

Nicht nur die Augsburger Patrizia Immobilien versucht mit dem gleichen Konzept zum Erfolg zu kommen, das ihr bereits im Buhlen um die LBBW-Wohnungen zum Sieg verholfen hatte. Auch die bayerischen Kommunen, die einen Verkauf der GBW an Finanzinvestoren verhindern wollen, scharen Versicherer und Fonds um sich. Die österreichische Conwert bastelt laut Branchenkreisen ebenfalls an einem Versicherer-Konsortium mit 15 bis 20 finanzkräftigen Partnern, die jeweils bis zu 150 Millionen Euro beisteuern sollen. Conwert selbst wolle rund 80 Millionen Eigenkapital für die Übernahme aufbringen. Weiter im Rennen ist Insidern zufolge auch die Deutsche Wohnen - ohne Partner. Keine der genannten Firmen wollte sich mit Verweis auf die Vertraulichkeitsvereinbarung zum Bieterprozess äußern. Die TAG Immobilien, die kürzlich erst die Wohnungen der bundeseigenen TLG erworben hatte, ist dagegen Kreisen zufolge nicht mehr dabei.

Die starke Konkurrenz dürfte den Preis nach oben treiben. Am Montag waren die unverbindlichen Gebote fällig, bis spätestens Ende Januar will die BayernLB jene Bieter auswählen, die sich in die GBW-Bücher vertiefen dürfen. Spätestens im April soll der neue Eigentümer feststehen - noch rechtzeitig vor dem Landtags-Wahlkampf in Bayern, in dem der Schutz der GBW-Mieter sonst zum großen Thema zu werden droht. Die GBW selbst beziffert den Wert ihrer Immobilien auf 2,4 Milliarden Euro, in den Büchern der BayernLB stehen sie aber mit einer geringeren Summe. "Eine große Anzahl namhafter Interessenten hat Angebote abgegeben", sagte ein BayernLB-Sprecher am Montag, ohne Namen zu nennen.

WENIG LEERSTAND IN MÜNCHEN UND NÜRNBERG

Die GBW ist eines der letzten großen Wohnungs-Portfolien, das in Deutschland in nächster Zeit voraussichtlich auf den Markt kommt. Der Bestand ist attraktiv: Die Wohnungen liegen vornehmlich in der Boom-Region München und im Großraum Nürnberg, der Leerstand liegt bei weniger als drei Prozent. Der Verkauf könnte die größte private Immobilien-Transaktion des Jahres 2013 werden.

Auch Finanzinvestoren wie Cerberus und Blackstone waren zu den Interessenten gezählt worden. Die Mieterschutz-Klauseln, die die bayerische Landesregierung unter dem Schlagwort "Sozialcharta XXL" bei der GBW durchgesetzt hat, könnten sie allerdings abschrecken. Denn damit ist die Zahl lukrativer Weiterverkäufe von Wohnungen begrenzt. Die laufenden Einnahmen aus der Vermietung der Wohnungen bringen Experten zufolge eine Rendite von fünf Prozent nach Steuern - viel für Versicherer, die auf langfristig stabile Erlöse setzen, aber eher wenig für Beteiligungsgesellschaften.

 
A Bavarian public sector bank BayernLB employee walks past the bank's logo at the BayernLB headquarters in Munich July 2, 2012. German state-backed lender WestLB was broken up in time to meet an EU-imposed July 1 deadline, with its former owners hoping to draw a line under years of losses and controversy at what was once the country's biggest landesbank. The European Commission also demanded restructuring at its fellow landesbanks LBBW and BayernLB for state aid they received in the financial crisis. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: BUSINESS POLITICS)